Okt 28, 2019
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Zum Schluss blieb dem Terrorkalifen nur das Erdloch

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Von Thomas von der Osten-Sacken

Dass der nur wenige Stunden nach dem Tod des IS-Anführers al-Baghdadi angeblich ernannte Nachfolger den Reihen von Saddam Husseins Baath-Partei entstammt, ist alles andere als ein Zufall.

Abu Bakr al-Baghdadi (Quelle: Flickr) und Abdullah Qardash (Quelle: Twitter)

Kaum ist die Nachricht verbreitet, dass – leider Jahre zu spät – dem Kalifen des IS Abu Bakr al-Baghdadi, einem Völkermörder, der unter anderem Sexsklaverei im Namen Allahs institutionalisierte, für immer das Handwerk gelegt wurde, steht wohl schon ein Nachfolger bereit.

Auch er entstammt den Reihen von Saddams ehemaliger Baath-Partei und dürfte wie so viele  ISler sein Handwerk in den Folterkellern des ehemaligen irakischen Regimes gelernt haben: „Al-Baghdadi ist durch Abdullah Qardash ersetzt worden, einen ehemaligen hochrangigen Offizier der irakischen Armee, der unter dem verstorbenen Führer des Landes, Saddam Hussein, diente.“ Denn der Islamische Staat war und ist ein Amalgam aus al-Qaida und Baathismus. Ohne das Know How irakischer Offiziere und Geheimdienstler hätte er nie die Brutalität und Effizienz entwickeln können, die seinen Terror ausmachten und ihn von jihadistischen Vorgängern so schrecklich unterscheidet.

Dazu passt, dass al-Baghdadi ganz in der Nähe der türkischen Grenze lokalisiert wurde, in einem Gebiet, das türkische Armee und Sicherheitsdienste ansonsten recht genau kontrollieren und keine Probleme haben, dort etwa Anhänger der PKK aufzuspüren. Aber die wurden und werden in Ankara schon immer als die weit größere Bedrohung angesehen als Islamisten aller Couleur. So scheint es al-Baghdadi dort so gut gegangen zu sein wie Osama bin Laden in seinem pakistanischen Domizil, bevor die Navy Seals kamen.

Beide, Pakistan wie die Türkei, gelten weiter als enge Verbündete der USA, nur wenn es ums Eliminieren von Terroristen geht, verzichtet man lieber auf jedwede Kooperation mit ihnen. Es sollen Quellen aus den Reihen der YPG und der irakischen Kurden gewesen sein, die maßgeblich zum Erfolg der Aktion geführt haben. Die allerdings war durch den von Trump angeordneten Rückzug amerikanischer Truppen sogar gefährdet worden sein, wie ranghohe US-Militärs der New York Times in Zeiten erzählen.

Auch wenn das Ende von al-Baghdadi nur wenig Grund zur Freude bereitet – denn was er und der IS angerichtet haben, ist geschehen und wird nie wieder gut gemacht werden, niemand scheint etwas gelernt zu haben, Jesidinnen und Jesiden leben weiter in Lagern ohne Perspektive, Städte liegen in Trümmern –, auch wenn also nun Jubel unangebracht ist, hat dieses Ende doch eine Botschaft, an die, die noch im Sattel sitzen und quälen und morden: Am Ende warten Orte wie Erdlöcher (Saddam), Abflussrohre (Gaddafi) oder eben irgendein Tunnel auf Euch! Es ist eine Frage der Zeit, aber die Chance, dass Ihr Euer elendes Leben auch so aushaucht, ist groß!

Sie wissen es, man sieht es ihnen an. Früher wenigstens zitterten blutrünstige Herrscher auf dem Sterbebett manchmal noch in ihren letzten Minuten aus Angst vor dem Fegefeuer, heute in säkularen Zeiten, in denen selbst jene, die Gott ständig auf den Lippen tragen, wohl an so etwas kaum noch glauben, bleibt nur die Vorstellung vom Ende im Erdloch und die Hoffnung, dass Gestalten wie al-Baghdadi in ihrem tiefsten Inneren eben doch nicht ganz so davon überzeugt sind, dass ihr mörderisches Tun sie am Ende in irgend ein Paradies bringen wird.

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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