Apr 18, 2019
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„Wir haben uns auf den Weg gemacht“

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Politische Gespräche, Flüchtlingslager, Klimaschutz, Wirtschaftsdialog, Fußball, Kaffee und Schulalltag:  Das Programm, das der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in den vergangenen Tagen bei seinem Besuch in Äthiopien absolvierte, kann sich sehen lassen. Söders Fazit fällt eindeutig aus: Die Reise kam zur richtigen Zeit, und Europa muss seine Afrika-Politik schnell und grundlegend ändern.

Gerade die jungen Menschen brauchen Beschäftigung und Perspektiven.

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

„Wir haben uns jetzt auf den Weg gemacht“, sagte Söder über den bayerischen Zugang zu dem „lange vernachlässigten Nachbarn“. Auch wenn vieles nur in kleinen Schritten gehe, müsse die in Äthiopien spürbare Euphorie gegenüber Deutschland und Bayern nun in der Praxis mit Leben gefüllt werden. „Das wird nicht immer einfach sein.“

Partnerschaft und fairer Handel

Wer das Land erlebe und wolle, dass die angestoßenen Reformen weiter gingen, müsse helfen, dass es hierzulande wirtschaftlich aufwärts gehe, betonte Söder. „Gerade die jungen Menschen brauchen Beschäftigung und Perspektiven.“ Abschottung und Ignoranz gegenüber den Afrikanern und ihren Problemen, wie sie etwa von der AfD eingefordert würden, sei der falsche Weg. Er und die CSU setzten sich für eine andere Strategie ein hin zu einer Partnerschaft mit einem fairen und freien Handel.

Äthiopiens Staatspräsidentin Sahle-Work Zewde zeigte sich am Mittwochmittag erfreut über das neue bayerische Interesse an ihrem Land. Es sei ein gutes Zeichen für beide Länder, wenn sich derzeit die Zusammenarbeit vertiefe, sagte sie bei Söders Empfang im Nationalpalast. Zewde betonte, sie freue sich über neue wirtschaftliche Beziehungen, davon müssten aber auch die Menschen in Äthiopien profitieren.

Bayerns neue Afrika-Strategie

Das findet auch Söder: „Wir müssen unsere angestrebte neue Afrika-Strategie mit Leben füllen und zu einem fairen und freien Handel kommen.“ Die Zusammenkunft mit Zewde war der politische Höhepunkt der knapp fünftägigen Reise des bayerischen Ministerpräsidenten nach Äthiopien – wie bei den anderen Terminen im Land ging es auch in dem Gespräch primär um die wirtschaftlichen Kontakte und deren Bedeutung für den Demokratisierungsprozess.

In Äthiopien gibt es derzeit einen massiven politischen Wandel. Nachdem das Land in früheren Jahren sehr abgeschottet war, öffnet es sich im Rahmen der laufenden Demokratisierung wieder für politische und wirtschaftliche Kooperationen.

Hilfe für die Kaffeebauern

Wie dies aussehen kann, sieht Söder am Mittwoch beim Besuch des ältesten Kaffeelagers in Addis Abeba. Zur Unterstützung des wohl bekanntesten äthiopischen Exportguts und den dahinter stehenden Bauern stellt der Freistaat Bayern in den kommenden drei Jahren 150.000 Euro zur Verfügung. „Das Projekt bietet gerade im ländlichen Raum wichtige Arbeitsplatzperspektiven in der Landwirtschaft“, sagt Söder. „Damit werde die Qualität des Kaffees erhalten, eine Partnerschaft entwickelt und was für die Menschen getan.“ 3000 Menschen sollen von dem Projekt profitieren.

Alles, was wir hier tun, ist direkt im Interesse unserer Bevölkerung.

Markus Söder

Äthiopien ist Afrikas wichtigster und weltweit der sechstgrößte Kaffeeproduzent. Rund 40 Prozent des afrikanischen Kaffees stammen aus Äthiopien (2018: 423 000 Tonnen). Rund 15 Millionen Arbeitsplätze im Land hängen daran.

Kicken mit dem FC Bayern

Nachdem Söder am Dienstag beim Besuch eines Flüchtlingslagers in der Region Gambela im Südwesten des Landes auch die ganz schwierigen Probleme des Landes mit Armut und Perspektivlosigkeit aus nächster Nähe gesehen hat, folgt am Mittwoch im Fußballstadion von Addis Abeba das Kontrastprogramm: Bei der Eröffnung der ersten Fußballschule von Rekordmeister FC Bayern München mit Ex-Profi Giovane Elber zeigt sich, welches Bayerns bekanntestes Exportgut in Äthiopien ist.

Söder hofft nun, dass auch die Bayern ihrerseits in Kooperationen mit Äthiopien und Afrika einen Mehrwert sehen. „Alles, was wir hier tun, ist direkt im Interesse unserer Bevölkerung.“ Umgekehrt gelte aber auch, dass nun verpasste Chancen zur Lösung von Problemen über Umwege auch zu europäischen und damit zu bayerischen Problemen würden.

(dpa)

Der Beitrag „Wir haben uns auf den Weg gemacht“ erschien zuerst auf Bayernkurier.

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Außenpolitik · Bayernkurier

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