Aug 30, 2019
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Wenn ein deutscher Journalist der „Israel-Lobby“ auf der Spur ist

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Paul Schreyer (Von Kristina Becker, Rostock (Fotografin), CC BY-SA 3.0 de)

„Einen Streit um die personelle Bestückung des europäisch-iranischen Zahlungskanals INSTEX nimmt der freie Journalist Paul Schreyer in dem Beitrag ‚Lupenreiner Antisemitismus‘ für Telepolis zum Anlass, eine große Keule auszupacken. (…)

Die Bildzeitung hatte am 8.8. darauf hingewiesen, dass [der designierte INXTEX-Leiter Christian] Erbel dem Journalisten Ken Jebsen, von Bild als Verschwörungstheoretiker und Antisemit eingestuft, am 16.7. ein Interview gegeben hatte, in dem er Positionen vertreten habe, die eine weitgehende Übereinstimmung mit der iranischen Propaganda aufwiesen (…)

Dieser versammelte Unverstand kann sich nur in einem Gespräch outen, in dem sich die Partner so einig sind, dass einer den anderen stimuliert. Man möchte ihnen zurufen: Leute, ihr habt Null Ahnung von Nukleartechnik – aber tatsächlich geht es hier nicht um Wissen oder Unwissen, sondern um die getreue Wiedergabe iranischer Standardargumente. Darum sei hier nur daran erinnert, dass die Internationale Atomenergiebehörde IAEA im abschließenden Statement zu ihrer Untersuchung von ‚Possible Military Dimensions‘ des iranischen Atomprogramms feststellt, dass der Iran sehr wohl bis 2003 und teilweise darüber hinaus an der Erforschung und Entwicklung von Nuklearwaffen gearbeitet hat.

Es steht Erbel, Jebsen oder Schreyer als Privatpersonen frei, sich zu blamieren und das Zustandekommen dieses Dokuments auf den Einfluss einer internationalen Israel-Lobby zurückzuführen. Ein Diplomat freilich, der die Bewertung der zuständigen Institution einfach unterschlägt, weil sie ihm nicht passt, stellt seine mangelnde Eignung für einen Einsatz im Nahen Osten selbst zur Schau. (…) Erbel musste seinen neuen Posten schnellstens räumen, nicht weil die Israel-Lobby so stark wäre, sondern weil seine Äußerungen unerträglich sind. Schon als Botschafter hätte er gefeuert werden müssen, weil er seine Aufgabe weniger darin sah, die deutsche Politik in Teheran zu erklären als vielmehr darin, iranische Botschaften in Deutschland zu verbreiten. (…)

Zurück zu Schreyers Artikel. Anstatt den Zeitgenossen, die auf das erstaunliche Stelldichein Erbels bei Jebsen aufmerksam gemacht haben, zu danken, bläst er den Vorgang zu einer Intrige und Einmischung in das deutsch-iranische Verhältnis auf. Über die Politik des Mullah-Regimes, insbesondere gegenüber der EU, erfahren wir von ihm nichts. (…)

Jebsen hat, freilich nicht mit dieser Absicht, ein aufschlussreiches Portrait eines der maßgeblichen Akteure der deutschen Nahostpolitik fabriziert. Nebenbei hat er sich selbst portraitiert. Manchmal fördert eine Plauderei verwandter Seelen mehr zutage als eine harte Kontroverse. Dann muss man aber auch die Konsequenzen ertragen können, ohne gleich wieder eine Verschwörung zu vermuten. Der Artikel, den Sie eben zu Ende gelesen haben, wurde beispielsweise weder von Netanyahu inspiriert noch von Paul Singer/Sheldon Adelson finanziert und ist auch nicht mit der Bildzeitung abgesprochen.“ (Detlev zum Winkel, Heise Telepolis: „Israel-Lobby enttarnt?“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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