Dez 22, 2018
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Was passiert am Tag eins nach Khamenei?

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„Wenn der Staat schwach ist oder Regierungen zusammenbrechen, rebellieren unruhige Minderheiten an der Peripherie. Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass die iranischen Sicherheitskräfte ihren Griff auf die iranische Gesellschaft verlieren. Nicht nur dauern die wirtschaftlichen Proteste an, die vor fast einem Jahr begonnen haben, sondern in den vergangenen Monaten sind Terroristen und Aufständische an der Peripherie des Iran zunehmend mutiger geworden. (…)

Während sich der Gesundheitszustand des obersten iranischen Führers Ali Khamenei verschlechtert und er auf seine letzten Monate oder Jahre zusteuert, scheint die Kontrolle der Zentralregierung über die Peripherie zunehmend schwächer zu werden. Das Vakuum, das auf seinen Tod folgen wird, wird wahrscheinlich gleich mehrere autochthone Aufstände bringen. Obwohl das Korps der Revolutionsgarden (IRGC) auf dem Papier eine gefürchtete Kraft bleiben wird, wird es, sobald die Führungsrolle des Regimes vakant ist und es keinen Oberbefehlshaber gibt, wahrscheinlich mit gleichzeitigen indigenen Aufruhren und Aufständen in Khuzistan, Kurdistan und Belutschistan konfrontiert werden. Unklar ist, wie effektiv die Revolutionsgarden dann tatsächlich sein werden.

Die US-Geheimdienste haben bezüglich des der Pasdaran zwei große blinde Flecken. Der erste sind interne Fraktionsbildungen. Alle wissen, dass die Revolutionsgarden nicht homogen sind – einige Männer sind nur im Interesse ihrer eigenen Privilegien beigetreten –, ist wenig darüber bekannt, bei wie vielen der Mitglieder der Organisation es sich um die wahren Ideologien handelt. Der zweite betrifft die Zusammensetzung einzelner Einheiten. (…) Wenn Khamenei stirbt, werden diejenigen, deren Herzen nicht an der revolutionären Ideologie des Regimes hängen, einfach nach Hause gehen, was die Kurden, die Belutschen und vielleicht auch den arabischen Aufstand weiter ermutigten wird. Selbst wenn die Revolutionsgarden weitgehend treu bleiben, werden so voll und ganz damit beschäftigt sin, die iranischen Großstädte – Teheran, Mashhad, Isfahan und Täbris – sowie die iranische Ölinfrastruktur zu sichern. Aufständische und lokale Räte werden das Vakuum füllen. Einige könnten ihre Unabhängigkeit erklären, andere werden ihre Bewegungen wahrscheinlich in den Mantel des Föderalismus hüllen.

In den 1920er Jahren, Mitte der 1940er Jahre und in der Zeit der islamischen Revolution brauchte das iranische Regime Monate und in einigen Fällen Jahre, um die Ordnung in der Peripherie wiederherzustellen. Und es brauchte Offiziere, die bereit dazu waren, frühere Zwänge und Präzedenzfälle hinter sich zu lassen, um die ländlichen Regionen zu befrieden. Es war zum Beispiel Reza Khan, ein Kosakenoffizier, dessen Erfolg bei der Niederschlagung von Aufständen niederzuschlagen ihn zuerst zu einem militärischen Helden und dann im Jahr 1925 zum Schah machte. Unklar ist, ob in den mittleren Rängen der iranischen Armee oder der Revolutionsgarden einen eine iranische Führungsperson auf der Lauer liegt oder, sollte das nicht der Fall sein, wie Teheran, die Region und die Welt reagieren würden, sollte der Staat kollabieren und auseinanderbrechen.“ (Michael Rubin: „What Will Iran’s Looming Civil War Look Like?“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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