Sep 14, 2019
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Was für die lange Amtszeit Netanjahus ausschlaggebend ist

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Israelische Todesopfer durch palästinensischen Terror seit September 2000 (Quelle: mfa.gov.il)

„Keine einzige Zeitspanne hat die Bevölkerung und Politik Israels so geprägt, wie die Welle jener Selbstmordattentate, die in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts von Palästinensern verübt wurden. Vieles von dem, was man im Jahr 2019 beobachten kann, ist das Nachspiel dieser Zeit – und seitdem wurden alle Wahlen in ihrem Schatten abgehalten. Die Angriffe, bei denen Hunderte von israelischen Zivilisten getötet wurden, beendeten die Hoffnungen auf einen verhandelbaren Frieden und zerstörten die Linke, die zu Beginn jener Welle an der Macht war. Jegliche Sympathie, die die israelische Mehrheit gegenüber den Palästinensern hatte, verschwand.

Mehr als jede andere Einzelentwicklung erklärt diese Periode die beständige Präsenz von Benjamin Netanyahu, die Außenstehende manchmal nur schwer verstehen können. Kurz gesagt: Im Jahrzehnt vor der Regierungsübernahme durch Netanjahu im Jahr 2009 begleitete uns die Angst vor dem Tod auf den öffentlichen Plätzen. Es bestand die Möglichkeit, dass das eigene Kind auf dem Heimweg von der Schule im Bus in die Luft gesprengt wird. In den letzten zehn Jahren ist dies nicht mehr der Fall. Daneben verblassen alle anderen Themen. Wieviel Anteil auch immer der Premierminister an dieser Veränderung hat, für viele Wähler ist es ein guter Grund, ihn am 17. September an der Macht zu halten. (…)

Offiziell wird diese Zeit nicht als Krieg betrachtet, obwohl sie mehr Israelis getötet hat als der Sechs-Tage-Krieg von 1967. Und niemand kann genau sagen, wann er begann oder wann er endete. Die Angriffe nahmen Mitte der 1990er Jahre zu, als Israel ein Friedensabkommen verfolgte und Land abgab, aber das Schlimmste ereignete sich dann zwischen 2000 und 2004. Auch wenn andere Formen der Gewalt fortbestehen, so fand der letzte israelische Todesfall durch einen palästinensischen Selbstmordanschlag im Jahr 2008 statt.

Israelische Verwundete durch palästinensischen Terror seit September 2000 (Quelle: mfa.gov.il)

Die Unterdrückung der Erinnerung an jene Ereignisse hat der palästinensischen Führung dabei geholfen, so zu tun, als ob nichts davon jemals passiert sei, und nur wenige ausländische Journalisten, die momentan aus Israel berichten, waren zu dieser Zeit hier. Warum haben die gemäßigten Israelis Angst, sich aus der Westbank zurückzuziehen? Warum ist die einst dominierende Linke zu einem mageren Parlamentsrest zusammengeschrumpft? Warum gibt es den Sicherheitszaun? Warum wird das Wort ‚Frieden‘ mit Sarkasmus ausgesprochen, während das Wort ‚Sicherheit‘ eine Art übernatürliches Gewicht hat? Wenn Sie damals nicht in Israel waren, und jetzt nicht auf das nationale Unbewusste zugreifen können, ist die Antwort drauf nur schwer zu finden.“ (Matti Friedman, New York Times: „The One Thing No Israeli Wants to Discuss“)

 

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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