Jul 20, 2019
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Warum Assad nicht auf iranische Hilfe verzichten kann

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By Unknown, CC BY 4.0,WikiCommons

„Die letzte verbleibende Oppositionszone in Syrien liegt im Nordwesten, wo ungefähr 4 Prozent des Landesgebiets 3 Millionen Zivilisten beherbergen, von denen ungefähr die Hälfte aus ihren Häusern vertrieben wurden. In dieser Region Idlib sind nach meinen Schätzungen ungefähr 60.000 bewaffnete Kämpfer dazu entschlossen, ihren Kampf gegen das Regime und seine Unterstützer fortzusetzen. Etwa die Hälfte davon setzt sich aus den Fraktionen des breiten Spektrums der Opposition zusammen, und die andere Hälfte gehört Dschihad-Gruppen an, von denen einige loyal gegenüber al-Qaida sind.

Seit fast zwei Monaten ist dieses kleine Gebiet das Ziel eines umfassenden Angriffs durch regimenahe Boden- und Luftstreitkräfte. Eine harte Luft- und Artilleriekampagne hat den Weg für Bodenoffensiven von Syriens loyalsten Truppen und Eliteeinheiten bereitet, darunter die berüchtigten Tiger Forces, die Republikanische Garde und die 4. Division. Und doch hat das Regime nach mehr als 10 Wochen nur etwa 1 Prozent des Territoriums zurückerobert, was Hunderte von Soldaten, Dutzende von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, sowie mehrere Flugzeuge gekostet hat. Inzwischen sind 400 Zivilisten getötet und 330.000 vertrieben worden. Die Lager für vertriebene Personen sind voll, und Olivenhaine sind zur Heimat von Scharen von Familien geworden, die vor dem wahllosem Luft- und Artilleriebeschuss geflohen sind.

Es gibt keinen besseren Beweis dafür, dass das syrische Regime nicht über ausreichende Kräfte verfügt, um die Kontrolle über das restliche Land zurückzugewinnen und es zu halten, als die jüngsten Ereignisse in Idlib. Der Schlüssel war hierbei die Weigerung des Iran, seine Milizvertreter in die Schlacht um Idlib zu entsenden, da, wie er seit einem Treffen in Astana, Kasachstan, im Februar betont hatte, der Nordwesten in Syrien von geringer strategischer Bedeutung für ihn ist. Niemals zuvor wurde der Wert des Iran für Assad – und Russland – klarer herausgestellt. Dies allein sollte ernsthafte Fragen bezüglich einer Durchsetzbarkeit der Forderung nach einem Abzug aller iranischen und und mit dem Iran verbundenen Streitkräfte aus Syrien aufwerfen, wie sie die Trump-Regierung, möglicherweise als Voraussetzung für ernsthafte Gespräche, aufstellt.

Obwohl Assad an seinem Ziel festhält, jeden Zentimeter Syriens zurückzuerobern, scheinen allein diese vier Prozent eine Herausforderung zu sein, die die Möglichkeiten des Regimes bei weitem überschreiten. Nach einer Schockoffensive in Latakia in den letzten Tagen zeichnen sich erste Anzeichen ab, die darauf hindeuten, dass sich das Regime zurückzieht und den Einsatz an vorderster Front verringert. Wenn die Türkei ihre Stellvertreter weiterhin mit schweren Waffen unterstützt, könnten wir sogar die sogenannte ‚Gaza-Werdung‘ von Idlib beobachten, bei der die Region de facto belagert wird und sich der extremistischen Herrschaft unterwirft. Tatsächlich wirft der ehemalige Al-Qaida-Partner, Hayat Tahrir al-Sham, genau das auf: Er hat vorgeschlagen, dass seine sogenannte Heilsregierung zu der De-facto-Regierungsbehörde des Gebiets wird. Dieses Szenario ist keineswegs im besten Interesse von allen, am wenigsten in dem der drei Millionen Zivilisten in dieser Region.“ (Charles Lister: „Assad Hasn’t Won Anything“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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