Dez 16, 2018
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Türkei: Wie die Regierung mit Kritik ausländischer Journalisten umgeht

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„Ich bin ein Terrorist, ein Geheimagent für mindestens zwei Regierungen im Nahen Osten, ein Putschist und Mitglied eines Sexkults. Zumindest berichtet dies die türkische Presse. Meine Karriere als türkischer Gesetzloser und Geheimagent begann, als ich anfing, Ankaras aufkeimende Verbindungen zu terroristischen Gruppen zu untersuchen.

Im Jahr 2010 stellte ich fest, dass die Türkei zu einem Drehkreuz der palästinensischen Terroristengruppe Hamas geworden war. Ein Jahr später konnte ich es nicht fassen, als ich von hochrangigen US-Funktionären erfuhr, dass die Türkei Jihadisten aller Couleur unterstützt, um den Diktator Bashar al-Assad zu stürzen. In den Jahren 2012 und 2013, auf dem Höhepunkt der nuklearen Auseinandersetzung, gab es Meldungen, die besagten, dass die Türkei dem Iran dabei geholfen hat, die Sanktionen zu umgehen – mehr als 20 Milliarden US-Dollar an Gold und Bargeld. Für einen ehemaligen Terrorismus-Finanzanalysten im US-Finanzministerium, der jetzt in einem Think Tank in Washington arbeitet, waren diese Berichte zu interessant um sie zu ignorieren. Also habe ich darüber geschrieben. Und je mehr ich dies tat, desto mehr entdeckte ich neue und beunruhigende Dinge über mich selbst. (…)

Im Jahr 2013 berichtete der Islamist und Erdogan Anhänger, Yeni Safak, dass ich Teil eines Mossad-Netzwerks in den Vereinigten Staaten wäre und es auf Hakan Fidan, den Chef des türkischen Geheimdienstes, abgesehen hätte. (…) Nachdem das Justizministerium im vergangenen Jahr mich und meinen Kollegen Mark Dubowitz gebeten hatte, in einem Gerichtsverfahren gegen einen türkischen Bankier als Sachverständige zu fungieren, wurden wir schnell als Mitglieder des Fethullah-Gulen-Netzwerks identifiziert. (…) Auch heute noch teilen mir Anhänger der türkischen Regierung auf Twitter neue und schockierende Enthüllungen über meine Mutter, meine Anatomie, meine Anziehungskraft auf bestimmte Haustiere und vieles mehr mit.

Solche Beleidigungen werden nicht mir allein zuteil. Die türkische Presse verhöhnt amerikanische Analysten als Putschisten und Terroristen. In einigen Fällen stellt Ankara Haftbefehle für sie aus. Meinem Kollege Aykan Erdemir, ein ehemaliger türkischer Parlamentarier, wurde sogar sein Vermögen eingefroren. Was wir alle gemeinsam haben: Kritik an den islamistischen und autoritären Tendenzen der Regierung Erdogans.“ (Jonathan Schanzer: „I’m a Wonk at a Think Tank. Turkish Media Say I’m an International Man of Mystery“)

 

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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