Jun 10, 2019
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Türkei schließt Flüchtlingslager für Syrer

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Flüchtlingslager in Kilis

„Seit Ende 2018 schließt die Türkei ihre Flüchtlingslager, die sie ursprünglich für die Syrer erbaut hatte, die aus dem vom Krieg zerstörten Land fliehen mussten. Die türkische Regierung führt die hohen Kosten der Lager und die Integrationsprobleme der Syrer an, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen. Laut Experten und Menschenrechtsaktivisten ist der wahre Grund jedoch ein anderer. Die Türkei hat sechs Flüchtlingslager in Gaziantep, Adiyaman und Kilis geschlossen. Syrische Flüchtlinge, die gezwungen sind, die Lager zu verlassen, haben zwei Möglichkeiten: entweder gehen sie in größere Städte in der Türkei, oder kehren nach Syrien zurück. Das 2015 eröffnete größte Lager der Türkei in Suruc mit rund 35.000 Einwohnern wird am 23. Juni geschlossen. Seit Anfang April haben rund 28.000 Flüchtlinge das Lager verlassen. Ankara sagt, dass es sich die hohen Kosten der Lager nicht länger leisten kann und dass Flüchtlinge, die isoliert in den Lagern leben, Schwierigkeiten haben, sich in das türkische Sozialleben zu integrieren. (…)

 Laut Omar Kadkoy, einem Politikanalysten der türkischen Stiftung für wirtschaftspolitische Forschung (TEPAV), hat die Entscheidung, die Lager zu schließen, weniger mit der Integrationspolitik der Regierung, als vielmehr mit der Rückführung der Syrer zu tun. ‚Die Entscheidung ergibt sich auch aus dem Betrieb der Lager verbundenen Kosten,‘ sagte Kadkoy, der selbst Syrer ist, gegenüber Al-Monitor. ‚Ein Flüchtlingslager in der Türkei bedeutet eine vollständige staatliche Unterbringung, die angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme schwierig zu finanzieren ist.‘ Er sagt weiter: ‚So bleiben den Syrern drei Optionen: sie können Stadtbewohner werden und finanzielle Unterstützung für die Miete erhalten, was eine Unsicherheit für die Zukunft bedeutet; sie können vorübergehend in ein anderes Lager umziehen und darauf warten, dass es ebenfalls geschlossen wird; oder sie können nach Syrien zurückkehren. Es bleibt die Tatsache bestehen, dass Flüchtlinge, die in Lagern leben, zu den am stärksten gefährdeten zählen.’ Er fügte hinzu, dass ‚Ankaras Entscheidung dazu führen könnte, dass sie entweder eine geringere Unterstützung erhalten, wenn sie sich in Städten niederlassen, oder dass sie vorzeitig abgeschoben werden und somit dem Risiko des Unbekannte ausgesetzt sind.‘ (…)

Der Prozess wird in den kommenden Monaten fortgesetzt werden, solange bis das allerletzte Lager geschlossen ist. (…) Der Grund für die Entscheidung der Regierung die Lager zu schließen, ist laut Kadkoy, die Syrer zur Rückkehr zu ermutigen.“ (Metin Gurcan: „Why Turkey is closing down Syrian refugee camps“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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