Mai 27, 2019
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Nach dem Rezo-Fake: Wissenswertes über die Rolle des Ströer-Konzerns

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geralt / pixabay

Seit Tagen versetzt ein Video Deutschland in Aufruhr. Der bei den Jüngeren bekannte Videoblogger Rezo nimmt sich darin fast eine Stunde lang die Parteien aus dem ganzen Bundestag zur Brust. Aus dem ganzen Bundestag? Nein! Eine bei seiner Zielgruppe besonders beliebte Partei verschont der junge Mann. Seine Sympathie gilt den Grünen, zu deren Wahl er wortgewaltig aufruft. Bis dahin hat er vor der Kamera jede Menge Unfug verbreitet. Halbausgegorenes wechselt mit waghalsigen Thesen, scheinbare Fakten entpuppen sich als ein Sammelsurium aus Fake News, einseitiger Quellenauswahl und tendenziösen Darstellungen. Selbst dem in dieser Hinsicht völlig unverdächtigen Spiegel schwoll angesichts der hanebüchenen Plapperei der Kamm. In ihrem Faktencheck rechnet die Redaktion mit den linkspopulistischen Parolen und grünen Unwahrheiten des 27-Jährigen ab, dem sie bescheinigt, „zu viel Angriffsfläche und zu viele belegbare Faktenfehler“ zu liefern. Um die Ergüsse eines gehypten Spätpubertierenden soll es hier aber gar nicht gehen. Viel interessanter ist die Frage, wer hinter dem Video steckt, das in der heißen Phase des Wahlkampfendspurts lanciert und mit extremer medialer Unterstützung auch der überwiegenden Mehrheit jener Wähler bekannt gemacht worden ist, die von Rezo zuvor noch nie etwas gehört hatten. Ähnlich der „Greta-Bewegung“, bei der es sich um ein von der „Plant for the Planet“-Stiftung kreiertes und orchestriertes Projekt handelt, das den Bürgern als spontaner Jugendprotest verkauft wurde, ließen Professionalität, Timing und Begleitmusik des Rezo-Videos vom ersten Moment an vermuten, dass hier Profis am Werk waren.

Ganz sicher wissen auch Deutschlands Journalisten, dass Rezo für den Wahlwerbespot von der Firma TUBE ONE Networks engagiert worden ist

Und tatsächlich reicht bereits ein Blick ins Impressum, das sich hinter dem YouTube-Logo des Video-Kanals verbirgt, der mehr als 1,5 Millionen Abonnenten vorweisen kann. Es bedarf weder besonderer Internetkenntnisse noch einer journalistischen Ausbildung für diesen simplen Rechercheschritt. Ganz sicher wissen auch Deutschlands Journalisten, dass Rezo für den Wahlwerbespot von der Firma TUBE ONE Networks GmbH engagiert worden ist. Das Kölner Unternehmen weist sich im Impressum selbst als verantwortlich im Sinne des Presserechts aus. Die Inszenierung des Videobloggers als Stimme der jungen Generation, die sich einmischt, beginnt also bereits damit, dass kein einziger Berufsjournalist es für nötig hielt, die Urheberschaft zu benennen. Stattdessen spielte man tagelang auf der Klaviatur der Agitation und Propaganda zur Inszenierung eines Jungaktivisten, der der Politik von seinem Jugendzimmer aus mal ordentlich die Leviten liest. Vielleicht noch schlimmer als das mediale Täuschungsmanöver ist die Tatsache, dass die zum Hauptangriffsziel erkorene CDU in ihrer unbeholfenen Reaktion Rezos krudem Weltbild nicht nur zu noch mehr Verbreitung verhalf, sondern auch offenbarte, wie wenig sie selbst die Mechanismen moderner Wahlkampfführung versteht. Statt zunächst einmal zu prüfen, wer überhaupt hinter der Schmähkritik steckt, lud man Rezo zu einem Gespräch ein, gerade so, als habe dieser irgendeine Form der Gesprächsbereitschaft signalisiert, als er zur Vernichtung der CDU aufrief. Im Konrad-Adenauer-Haus hätten sie ihn besser ignoriert, um den wüsten Angriffen des Dampfplauderers keine zusätzlich Bühne zu geben.

Rund ein Drittel der Teenager sympathisiert mit den Grünen – was liegt da näher, als sie über die von ihnen genutzten Medien als Wähler zu gewinnen?

Was die Produzenten des grünen Wahlaufrufs angeht, sollte man wissen, dass TUBE ONE zur Ströer-Gruppe gehört, die von Köln aus international agiert und mit mehr als 12.000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von nahezu 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Medienkonzern ist einer der größten Vermarkter von Online-Werbung in Deutschland. Mit „Influencern“ wie Rezo soll die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen für die Produkte der Kundschaft begeistert werden. Das Potential haben längst auch die Öko-Strategen erkannt: Rund ein Drittel der Teenager sympathisiert hierzulande mit den Grünen – was liegt da näher, als sie über die von ihnen genutzten Medien als künftige Wähler zu gewinnen? Ein besonders reichweitenstarkes Internetportal kommt Ströer dabei zu Hilfe: Seit 2015 gehört t-online.de zum Konzern. Mit seinen vielen Millionen Nutzern bietet es die perfekte Plattform auch für politische Kampagnen. Es war auffälligerweise die Redaktion von t-online.de, die sich bei der Verbreitung und Vermarktung des Rezo-Videos besonders hervortat. Chefredakteur ist dort übrigens ein gewisser Florian Harms. Der ehemalige Redaktionsleiter von Spiegel-Online trimmt t-online.de seit 2017 konsequent auf links-grünen Kurs. Leser sollten dies im Hinterkopf haben, wenn sie auf „Meldungen“ des Portals stoßen. Millionen von Bürgern hat die Ströer-Kampagne mit dem Komparsen Rezo täuschen können. Jene, die den Rattenfängern nicht so leicht auf den Leim gehen, stellen fest, dass Greta, Rezo & Co. genauso spontane Bewegungen sind, wie seinerzeit auf der Stalinallee die Demonstrationen der Arbeiter und Bauern. Wie das Ganze am Ende ausging, wissen wir.

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Klare Kante · Liberale Warte

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