Dez 16, 2018
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Laubers Newsletter: Der Islam und seine Fans, die Wahrnehmung des neuen Deutschland in der Welt, eine Richtigstellung über Karl Marx und das Judentum etc.

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(www.conservo.wordpress.com)

Von Adrian F. Lauber *)

Liebe Leser und Freunde,

hier ist der neue Newsletter mit Lesetipps zum Islam und seinen Verharmlosern, zum Migrationspakt, zu den Ereignissen in Frankreich, zum neudeutschen Größenwahn und wie er im Ausland wahrgenommen wird – und mit einer Richtigstellung.

In meinen Texten, die vom linken Antisemitismus handelten, habe ich Karl Marx erwähnt und ihn einen Antisemiten genannt.

Ich wurde in einer Zuschrift eines Lesers dafür kritisiert, und die betreffende Person hatte ganz Recht. Ich habe hier ungenau mit einem Begriff gearbeitet und dadurch eine verzerrte Darstellung produziert.

Über Karl Marx und das, was er über das Judentum geschrieben hat, musste ich deshalb etwas richtig stellen, was aber keineswegs bedeutet, dass ich Marx‘ Ansichten jetzt positiv beurteile. Im Gegenteil. Aber lest selbst.

Grüße und eine schöne Adventszeit für Euch, trotz des Irrsinns unserer Zeit

Adrian

——

Vorbemerkung: Eine Richtigstellung zu einer Aussage aus meinem letzten Newsletter, die mir angebracht erscheint.

Ich schrieb, dass Islam-Kritiker wie Hamed Abdel-Samad aus meiner Sicht teilweise sogar noch „zu soft“ seien. Rückblickend denke ich, diese Aussage war, wenn man sie isoliert stehen lässt, respektlos gegenüber Leuten, die es auf sich genommen haben, jetzt rund um die Uhr unter Polizeischutz zu leben, weil sie es gewagt haben, die Friedfertigkeit dieser Religion/Ideologie zu hinterfragen. Das muss man würdigen, und dass Abdel-Samad und andere sich trotzdem nicht den Mund verbieten lassen, ehrt sie umso mehr. „Zu soft“ sind solche Menschen ganz bestimmt nicht, was ihren Charakter und ihren Mut angeht.Apropos: Es gibt von Hamed Abdel-Samad einen Bericht zu dieser so genannten Islam-Konferenz, an der er teilgenommen hat: https://www.steinhoefel.com/2018/12/ein-blick-hinter-die-kulissen-der-islamkonferenz.html

Erinnern will ich bei der Gelegenheit auch an jene Islam-Kritiker und Dissidenten, die in der islamischen Welt selbst leben und wirken und welches Risiko sie auf sich nehmen, wenn sie sich öffentlich gegen Fundamentalismus und theokratische Diktatur positionieren. Auch diese Leute riskieren Tag für Tag ihr Leben, während andere bequem in der warmen Stube hocken und sich weiterhin das piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb-Paradies herbeihalluzinieren.

So, nun meine Empfehlungen der Woche:

I. Wider das Appeasement

Wenn wir schon beim Islam sind, möchte ich auf einen empfehlenswerten Gastbeitrag der geschätzten Laila Mirzo auf Jürgen Fritz‘ Blog vom 8.10. hinweisen: „Keine falsche Appeasement-Politik!“  https://juergenfritz.com/2018/10/08/kein-falsches-appeasement/

(Winston Churchill hat sehr richtig gesagt: „Ein Appeaser ist jemand, der ein Krokodil füttert in der Hoffnung, es werde ihn als letzten fressen.“)

Was den Islam als politische Ideologie angeht, verweise ich gern auf Bill Warner, den Gründer des Center for the Study of Political Islam. Von ihm kann man darüber einiges lernen. Oder auch von Robert Spencer (Jihad Watch). Oder natürlich auf den bereits erwähnten Hamed Abdel-Samad oder auf Bassam Tibi.

Von Dr. Warner ist außerdem auch ein sehr gutes Video, das den Dschihad und die Kreuzzüge miteinander vergleicht und den einen oder anderen Gutmenschen vielleicht nachdenklich stimmen könnte, der wirklich glaubt, der Islam-Fundamentalismus sei doch nur die irgendwie verständliche Reaktion auf die bösen Kreuzzüge. Aber darüber habe ich an anderer Stelle etwas geschrieben und Material weiter empfohlen. Siehe außerdem meine letzten Newsletter mit Material mit Argumenten gegen vergrünten Selbsthass und Selbstgeißelung.

Political Islam: „Dr Bill Warner PhD Jihad vs Crusades GERMAN“ (Upload: 1.6.2015) https://www.youtube.com/watch?v=zlNAgvZfdLo

II. Ein aufrechter Kämpfer für den Islam

Mein ganz besonderer Liebling Jürgen Todenhöfer, den Herbert Wehner liebevoll „Hodentöter“ nannte, hat sich nach dem (völlig weltfremden) Wunsch Horst Seehofers, es möge ein Islam aus, in und für Deutschland geschaffen werden, zu Wort gemeldet.

Auf dem Blog „Aron Sperber“ erschien am 30.11. ein passender Kommentar. Daraus möchte ich zitieren:

„Jürgen Todenhöfer erklärt den säkularen Islam zum Nicht-Islam und Cem Özdemir zum Kafir:

Liebe Freunde, unser Innenminister fand schon immer, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Jetzt fordert er listig, dass sich „ein Islam aus und für Deutschland“ entwickeln soll. Ein deutscher Islam also. Ein Seehofer-Islam. Mit Schweine-Blutwurst auf dem Buffet? Wie auf der gestrigen „Islamkonferenz“?

Wie würden Christen reagieren, wenn die Muslime in Nigeria oder in Ägypten von ihren christlichen Minderheiten fordern würden, ein nigerianisches oder ägyptisches Christentum zu entwickeln? Sie würden das sehr anmaßend finden.

Ähnliches gilt für die Forderung Cem Özdemirs, einen „säkularen Islam“ zu entwickeln. Einen entkernten, ent-religionisierten Islam, der kein Islam mehr ist. Einen Özdemir-Islam.

All das ist Teil der Dauer-Kampagne gegen den Islam. Nur neu verpackt. Die großen Religionen Judentum, Christentum und Islam waren nie das Problem. Wer die Welt verbessern will, muss bei den Menschen anfangen. Bei sich selbst. Da ist bei uns allen noch viel zu tun.

Euer JT“

Obwohl Jürgen Todenhöfer laut eigenen Angaben noch nicht zum Islam konvertiert ist, hat der ehemalige CDU-Rechtsaußen bei den Islamisten eine neue politische Heimat gefunden.

Dass Todenhöfer einen deutschen säkularen Islam ablehnt, entspricht voll der Realität des Islam in Deutschland.

Was wir uns wünschen oder brauchen, ist zweitrangig, wenn die deutschen Muslime dabei nicht mitspielen. Insofern hat der christliche Lieblings-Mullah der deutschen Muslime schon recht, wenn er den säkularen Euro-Islam als unbrauchbar qualifiziert.

Muslime wollen in ihrer Opferhaltung bestätigt werden. Dies gilt leider nicht nur für verschleierte Extremisten, sondern auch für scheinbar gut integrierte Vorzeige-Muslime, wie man sie oft auf seiner Facebook-Seite findet. Todenhöfer liefert seinen Muslimen das Narrativ von der westlichen Schuld, das sie so gerne hören.

(…)

Um von Todenhöfers Proletariat mitnaschen zu dürfen, hatte ihn Jakob Augstein sogar zu seinem linken Freitag ins Boot geholt.“

[Anmerkung von mir: JT war zeitweise Herausgeber von Jakob Augsteins „Freitag“. Alex Feuerherdt nannte die beiden sehr treffend „das Traumpaar der deutschen Publizistik“]

Aron Sperber, 30.11.2018: „Deutscher Mullah erklärt Özdemir zum Kafir“ https://aron2201sperber.wordpress.com/2018/11/30/42597/

Todenhöfers Entwicklung ist wahrlich erstaunlich. Früher galt er in der CDU als Hardliner und gehörte zur so genannten „Stahlhelm-Fraktion“ der Partei.

Aron Sperber, 29.7.2014: „Jürgens Goldader“

https://aron2201sperber.wordpress.com/2014/07/29/jurgens-goldader/

Heute ist er der hoch moralische, über jeden Zweifel erhabene Gutmensch par excellence, voller Ressentiment (und das ist noch milde ausgedrückt) gegen den Westen und gegen Israel, und begeisterter Islam-Apologet, der – wie Aron Sperber treffend bemerkt – seinem Publikum das sagt, was es hören will. Wir Muslime machen nichts falsch, an all unseren Problemen ist der böse Westen – inklusive des ganz besonders bösen Israel – schuld. Der Islam hat mit Fundamentalismus und Gewalt nichts zu tun.

Der Mann warb auch schon mal für eine Zusammenarbeit mit Salafisten – und zwar gegen Terrorismus, der natürlich gar nichts mit dem friedlichen Islam zu tun hat. (Würde Todenhöfer im Kampf gegen Rechtsextremismus auch eine Zusammenarbeit mit der NPD empfehlen? Oder die Antifa als Partner im Kampf gegen linksextreme Gewalt?)

Aron Sperber, 20.4.2016: „Todenhöfers islamischer Vogel“

https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/04/20/todenhoefers-islamischer-vogel/

Aron Sperber, 8.5.2016: „Karl Mays Rache“

https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/05/08/karl-mays-rache/

Tapfer im Nirgendwo, 1.12.2014: „Dem Todenhöfer seine Lieblingssure“ https://tapferimnirgendwo.com/2014/12/01/dem-todenhofer-seine-lieblingssure/

Tapfer im Nirgendwo, 21.2.2015: „Jürgen Todenhöfer schreit“

https://tapferimnirgendwo.com/2015/02/21/jurgen-todenhofer-schreit/

Aron Sperber, 29.3.2015: „Todenhöfer mischt sich ein“

https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/03/29/todenhofer-mischt-sich-ein/

Tapfer im Nirgendwo, 12.7.2014: „Packt die Antisemitismuskeule wieder ein und packt sie nie mehr aus!“ https://tapferimnirgendwo.com/2014/07/12/packt-die-antisemitismuskeule-wieder-ein-und-packt-sie-nie-wieder-aus/

Tapfer im Nirgendwo, 4.8.2014: „Jürgen Todenhöfer gießt Öl ins Feuer!“

https://tapferimnirgendwo.com/2014/08/04/jurgen-todenhofer-giest-ol-ins-feuer/

Todenhöfer hat übrigens im Jahr 2014 angeregt, Hamed Abdel-Samad wegen Volksverhetzung gem. §130 StGB anzuklagen. Anlass war das Erscheinen von Abdel-Samads (sehr zu empfehlenden) Buch „Der islamische Faschismus“

Aron Sperber, 13.3.2016: „Deutsche Justiz verfolgt arabischen Islamkritiker“ https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/03/13/deutsche-justiz-verfolgt-arabischen-islamkritiker/

Todenhöfer hat viele Fans – und die artikulieren sich im Kommentarbereich unter seinen facebook-Posts in einer Weise, dass man eigentlich meinen könnte, es hätte Anlass für ein bisschen kritische Selbstreflexion sein können. Natürlich kann Todenhöfer bzw. jeder, der sich öffentlich äußert, grundsätzlich nichts dafür, wie andere sich dann dazu positionieren. Das Risiko, Beifall von übel gesonnenen Zeitgenossen zu bekommen, geht jeder ein, der öffentlich Stellung bezieht. Würde man sich immerzu vom Gedanken daran beherrschen lassen, dürfte man im Prinzip nichts mehr sagen. So geht das natürlich nicht. Aber wenn man fortwährend von Judenhassern, Islam-Fundamentalisten und ähnlich gepolten Leuten in eindeutiger Weise bejubelt wird … da könnte man sich selbst schon mal fragen, ob man wirklich auf dem richtigen Weg ist. Oder man könnte sich ausdrücklich dagegen verwahren, von solchen Leuten in Anspruch genommen zu werden.

Noch besser: Man könnte aufhören, zu agitieren, und endlich mal versuchen, die tatsächliche Lage im Israel-Palästina-Konflikt im Speziellen und im Orient im Allgemeinen zu verstehen. Man könnte über den allgegenwärtigen Judenhass reden, über den Terror der Hamas, über die Indoktrinierung zum Hass in den Schulen der „moderaten“ Palästinensischen Autonomiebehörde, über die Ablehnung von Friedensangeboten und Angeboten zur Gründung eines Staates Palästina, über die Terror-Finanzierung durch die Autonomiebehörde, bei dieser Gelegenheit ganz grundsätzlich darüber, wie die Milliarden von Hilfsgeldern, die für das Wohl der Palästinenser hätten verwendet werden können, für den Krieg verpulvert worden und in den Kanälen der Korruption verschwunden sind und und und.

Man könnte Fakten gegen Hetze setzen. Wenn Todenhöfer aber immer weiter auf dem eingeschlagenen Weg fortfährt, dann mag sich jeder selbst denken, welche Gründe dafür in Frage kommen.

Hier eine Auswahl von Kommentaren auf Todenhöfers Seite, zusammengestellt von Gerd Buurmann (die Kommentare kamen unter einem Beitrag über einen Anschlag in einer Synagoge in Jerusalem, bei dem vier Menschen ermordet wurden):

„Es gibt keine Zivilisten in Israel das sind alles illegale Besatzer sobald sie 18 sind sind sie keine Kinder mehr also dürfen sie bekriegt werden … Also auch getötet man lässt diesen armen Volk keine andere Wahl abgesehen davon glaube ich nicht das es palestinenser waren …“

„Ach ja und wie wahr das einen Palästinenser mit 16.Jahren anzünden schon vergessen????? er muss Benzin schlucken und jetzt schon Vergessen oder. Tfuuuu ehrlich die Palästinenser haben das Recht sich zu verteidigen, sich zu wehren egal wie…. WEIL ES REICHT ES REICHT !!!!!!!!!!!!!“

 „Alles geplante Aktionen von den Zionisten um die palestinänser wieder ohne worwürfe bombardieren zu können und Land klauen zu können. Zudem würde ich gerne wissen warum es keine Berichterstattung über die al-aqsa Moschee gibt. Sind die Anschläge auf Moscheen gerechtfertigt.???“

„Israhell versteht leider nur die Sprache der Gewalt! Die Zionisten sind das Problem – Palästina die Lösung!“ [Anm, von mir: Die Zionisten sind das Problem, sagt er oder sie. Also diejenigen, die für die Existenz eines jüdischen Staates sind. Mit anderen Worten: der jüdische Staat muss weg.]

„Ermordung ist nie schön! Aber was hat israel erwartet?“

„Wer, wie die Zionisten mordet, raubt und unterdrückt, darf sich nicht wundern, wenn die Unterdrückten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zurückschlagen.
Viva Palästina!“

„In Synagoge ist sowas scheiße.
Aber Israel wird niemals ruhe und Frieden bekommen.“

„Aufgrund der bisher bekannten Doktrin der Ultra Zionisten würde es mich nicht wundern, wenn auch diese Morde vom Mossad begangen wurden um die Palästinenser zu dezimieren. „Endlösung 2.0″!“ [Anm. von mir: Die palästinensischen Araber gehören zu den am schnellsten wachsenden Populationen der Welt und leben materiell besser als die meisten anderen Araber, auch dank der vielen Hilfsgelder aus dem Ausland. Man muss schon phantasiebegabt sein, um hier eine „Endlösung der Palästinenserfrage“ zu erkennen.]

„Ich hab kein Mitleid !!!!“

„Herr Todenhöfer, es gibt keine Zivilisten in Israel. Jeder einzelne ist ein Besatzer.“

„Mein Land ist Gott Sei Dank..mit Hilfe der Hizbollah standhaft gegen die Zionisten gewesen. Und das wird auch so bleiben. Den Erfolg wünsche ich natürlich meinen palästinensischen Geschwistern ebenso !!!!“ [Anm. von mir: die Hisbollah (die „Partei Gottes“) ist eine von den iranischen Revolutionsgarden mit aufgebaute Terrororganisation und internationales Verbrechersyndikat, das bereits besser gerüstet ist als so manche reguläre Armee, die den Libanon für ihre iranischen Patrone auf allen Ebenen unterwandert und durchdrungen hat und Israel ausradieren will.]

„Verpisst euch aus Palästina“

„Lang lebe Palästina Lang Lebe die Hamas“ [Anm. von mir: Die Hamas fordert in ihrer Charta die Zerstörung Israels und die Tötung aller Juden. Auch sie wird vom Iran bewaffnet und finanziert, auch wenn es zeitweise über den Syrien-Krieg ein Zerwürfnis gab. Inzwischen sind die Beziehungen zu Teheran längst erneuert worden, wie die Hamas auch öffentlich bekannt gegeben hat.]

„So einen Mist verzapft doch der israelische Geheimdienst selber, um ihre Aggression zu rechtfertigen … ist doch ein alter Hut.
Kann man sich natürlich nicht sicher sein aber das gängige Prinzip ist Fakt und diesen faschistischen Drecksäcken durchaus zuzutrauen.“

„Jürgen das ist doch eine Seifenoper des Krankem System des Antichristenverein !“

„Solange niemand die Israelis in die Schranken verweist, wird es niemals Ruhe im nahen Osten geben.“

„Sorry ich kann kein Mitleid haben mit den Zionisten“

„Israel soll endlich aufhören die Opferrolle zu spielen jeder Mensch mit nur einem Halben Gehirn weiß wer die wahren Terroristen sind seit 67 Jahren!!! Schande an alle Mainstream Medien!!! Bald könnten sich alle Pro Israel Politiker sowie Herr Gysi mit Schande Israels in der Toilette sperren!!!“

„Das waren die Zionisten 100% selbst um weitere Morde an Palästinenser rechtzufertigen! Drecks landräuber“

 „Er hat viel zu wenige mitnehmen können, leider. Aber das war alles geplant, um ein Grund wieder zu finden und Kinder zu töten. Nieder mit Israhell.“

„Nieder mit USreal“

Sehr beliebt ist auch die Floskel: „Ich möchte auf keinen Fall diesen Mord rechtfertigen, aber …“

https://tapferimnirgendwo.com/2014/11/19/ich-habe-kein-mitleid/

Ja, ja, natürlich nicht …

Todenhöfer scheint trotz Zuspruchs solcher Art ein bisschen Demut und Reflexion nicht für nötig zu halten. Er ging auch danach weiterhin richtig in die Vollen, wenn es um dieses Thema ging. Siehe zum Beispiel:

Pro – Christliches Medienmagazin, 24.7.2017: „Jürgen Todenhöfer bietet Israel-Hass fürs Lehrbuch“ von Daniel Frick

https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/07/24/juergen-todenhoefer-bietet-israel-hass-fuers-lehrbuch/

Aron Sperber, 2.12.2015: „Das Geschäft mit dem importierten Judenhass“ https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/12/02/das-geschaft-mit-dem-importierten-judenhass/

Dieser Mann ist für mich so etwas wie ein Paradebeispiel des „wiedergutgewordenen Deutschen“, der in seiner moralistischen Selbstgerechtigkeit und in seinem unheilbar reinen Gewissen durch nichts mehr zu beirren ist. Eike Geisel wäre zu Todenhöfer bestimmt eine Menge Scharfsinniges und Bitterböses eingefallen. Vielleicht hätte er auch diesen Fall als Beispiel für die „Banalität des Guten“ und den „Triumph des guten Willens“ gewertet.

Lizas Welt, 6.8.2007: „In memoriam Eike Geisel“

https://lizaswelt.net/2007/08/06/in-memoriam-eike-geisel/

Angesichts der durch Meinungsumfragen belegten Tatsache, dass sehr viele Deutsche groteske, dämonisierende Vorstellungen von Israel haben und immer noch judenfeindliche Ressentiments in sich tragen, befürchte ich, dass nicht wenige für die Todenhöfer’schen Texte empfänglich sind und ihnen in weiten Teilen zustimmen werden …

III. Das Scheitern des real existierenden Merkelismus

Vera Lengsfeld hat eine Rezension zu einem Buch von Ferdinand Knauß verfasst, das das zerstörerische Wirken des gemerkelten Landes gut auf den Punkt bringt. (Und ich hoffe, dass das die Wirklichkeit besser beschreibt als das, was ich neulich geschrieben habe. Ich will nämlich nicht glauben, dass die These meiner Bekannten über die deutsche Selbstzerstörung, wie ich sie in meinem Arbeit über Auschwitz‘ Platz in der deutschen Identität umrissen habe, zutrifft! Mein aufrichtiger Wunsch ist, dass es nicht wahr ist, dass das heutige Deutschland mit Absicht einen antijüdischen Zerstörungsfeldzug führt.)

Ein Auszug aus Frau Lengsfelds Beitrag:

„Diese Bewertung im letzten Satz des Buches von Ferdinand Knauß „Merkel am Ende“ wäre der richtigere Titel gewesen. Jeder, der Knauß´ Argumentation gelesen hat, wird dem zustimmen. (…)

Ferdinand Knauß geht der Frage nach, wie es geschehen konnte, dass unser Land die Langzeitkanzlerschaft einer Frau duldete, die unpolitisch ist und deren einziges Ziel ihr Machterhalt war. Was bedeutete die lange, bleierne Regierungszeit Merkels für die CDU und unser Land? Die Methode Merkel ist der Ausverkauf von politischem und sozialem Kapital, also von Werten und Positionen ihrer Partei, den Interessen unseres Landes und seiner Bürger, dem dienen zu wollen Merkel beim Antritt ihrer ersten Kanzlerschaft behauptete.

Die zentrale These von Knauß lautet, dass Merkel kein Einzelfall ist, sondern nur perfektioniert hat, was nach 1990 alle westlichen Staaten prägte: unpolitische Politik.

Merkel ist so unpolitisch, dass sie ihre Karriere in einer Partei startete, die sie nicht mochte, aber die besten Karrierechancen bot. Eine Frau, die keinen klaren politischen Gedanken formulieren kann, hatte, weil „sie Bedingungen des Machtgewinns besser erfasste, als jeder andere Zeitgenosse“, damit die richtige Wahl getroffen. Die CDU ist eine Partei mit „Anbetungsbereitschaft gegenüber jedem, der sie regierungsfähig macht“. Das beutete Merkel gnadenlos aus.

Knauß hat im Rückblick auf den berühmten FAZ-Artikel Merkels gegen Helmut Kohl von 1999 auf den Satz aufmerksam gemacht, den Merkel damals formulierte: „Die Partei muss laufen lernen“.

Das tat sie gerade nicht. „Sie warf sich der neuen Chefin noch untertäniger zu Füßen, als zuvor Kohl und opferte ihr alles, wofür sie jahrzehntelang stand.“

Das Ergebnis ist nicht nur eine programmatisch völlig entleerte Partei, ein tief gespaltenes Land und „eine destabilisierte Gesellschaft in einem geschwächten Staat, der in Europa weitgehend isoliert und für die Zukunft nicht gerüstet ist.“

Schlussfolgerung: „Wenn es eine Hoffnung für eine vitale, langfristig überlebensfähige CDU nach Merkel gibt, dann kann sie sich nicht auf deren aktuellen Führungszirkel stützen. Die Erneuerung wird der CDU nur dann nachhaltig gelingen, wenn sie auf politischer Leidenschaft und nicht auf taktischem Kalkül und Postenjägerei aufbaut“.

Augenblicklich ist die Parteiführung aber dabei, die Erneuerung, die sich von der Basis her aufbaut, auszubremsen. Von allen Kandidaten, die für den Parteivorsitz kandidieren wollen, werden nur die drei „aussichtsreichsten“ in den Regionalkonferenzen vorgestellt. Ein Verfahren der Arroganz der Macht, mit dem vorhersehbaren Ergebnis, dass höchstens ein christdemokratischer Krenz dabei rauskommt. Bestenfalls wird der auch nach sechs Wochen wieder abgelöst.

Merkels Regierungszeit war von einem „Dauergewitter dramatischer Ereignisse“ begleitet: Finanzkrise, Schuldenkrise, Flüchtlingskrise. Die ersten beiden Krisen waren in Deutschland nicht unmittelbar zu spüren, weshalb der Eindruck entstand, Merkel würde „das Staatsschiff klug und erfolgreich durch den Sturm“ steuern. In der Eurorettung, die Merkel als „alternativlos“ bezeichnete, verschleuderte Merkel aber bereits die politische Substanz. „Der Preis des Erhalts der griechischen Zahlungsfähigkeit innerhalb der Eurozone war nicht nur ein finanzieller. Der Preis war die Entwertung der Regeln des Maastricht-Vertrags“.

Dieses Aufzehren der politischen Substanz wiederholt sich immer wieder. Merkels Rezept: Schulden mit neuen Schulden zu bekämpfen, die durch Transfers gewachsenen Ungleichgewichte durch noch mehr Transfers auszubügeln, begleitet von der Behauptung, Transfers in der Eurozone seien keine Transferunion.

Noch erheblicher als das Haftungsrisiko über den Eurorettungsfonds ist das kontinuierlich steigende Ungleichgewicht im sogenannten Target2-System der Euro-Notenbanken. Zum 30. Juni 2018 hatte die Bundesbank Forderungen aus Target2 von 976 266 420 827,17 Euro, das ist fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts von 2017! Wer glaubt, das im Falle des Austritts eines Schuldnerlandes aus der Währungsunion diese Summe jemals eingetrieben werden wird? Die jüngsten Entwicklungen in Italien zeigen, dass diese Situation demnächst eintreten könnte. Das Erwachen der Deutschen wird dann schrecklich sein.

(…)

Die Verwandlung des Target-Systems in ein Instrument der Haftungsunion ist hinter dem Rücken der Öffentlichkeit von statten gegangen, natürlich auch ohne parlamentarische Debatte, weil das Parlament seine Funktion, die Regierung zu kontrollieren, längst kaum noch wahrnimmt.

Nicht nur die verdeckten Schulden haben unter Merkel gigantische Ausmaße angenommen, auch der Staat ist immer fetter, zugleich immer schwächer geworden. Die Sozialausgaben wachsen schneller als die Wirtschaft. Sie sollen im Haushalt 2019 dennoch weiter erhöht werden. An die 30% der Wirtschaftsleistung wird für Soziales ausgegeben, die staatlichen Sozialleistungssysteme immer mehr aufgebläht. Aus „dem ursprünglichen Zweck des Sozialstaats, Sicherung und Stabilisator für Notzeiten zu sein“ ist längst ein Selbstzweck geworden.

Gleichzeitig kommt der Staat seiner Aufgabe, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, nicht mehr ausreichend nach. Deutschland wird zunehmend als verwahrlostes Land empfunden. Die beiden dominierenden Prozesse der Gegenwart, Naturzerstörung und Masseneinwanderung verändern die Lebensbedingungen in unserem Land immer schneller. Knauß bezeichnet die Angst vor Naturzerstörung als die Angst der Weltbürger, die Angst der Bevölkerung vor dem Verlust des eigenen Lebensstils wird stigmatisiert als rechts.

(…)

Die Angst der Weltbürger wurde von Merkel mit der „Energiewende“ bedient, die nicht nur zu einem „gigantischen Subventionsregime mit einem Dschungel aus festgesetzten Preisen und Förderprogrammen“ für Besserverdienende, sondern zu einer ebenso gigantischen Landzerstörungsmaschine geworden ist. Das Klima rettet sie dennoch nicht, denn sie hat keinen nennenswerten Einfluss auf den Kohlendioxyd-Ausstoß. Dafür belaufen sich ihre Kosten auf geschätzte 250 Milliarden Euro bis 2025, die durch die EEG-Umlage aufgebracht werden müssen. Es ist also eine unverschämte Umverteilung von arm zu reich.

Aber Merkel hat mit der Energiewende eine Gefahr für ihre Machtposition beseitigt, indem sie die Grünen als Koalitionspartner im Wartestand gewonnen hat.

Es waren die Grünen, die Merkel in der andauernden Einwanderungskrise immer wieder die Kanzlerschaft gerettet haben. Sie unterstützen ihre Politik der offenen Grenzen nicht nur vorbehaltlos, sie verhinderten auch einen Untersuchungsausschuss im Bundestag, der den BAMF-Skandal aufarbeiten sollte.

In der Einwanderungskrise kulminiert Merkels unpolitische Politik und kommt gleichzeitig sichtbar an ihr Ende.

„Weder die Abgeordneten des Bundestages, noch die Leitmedien zwangen Merkel in dieser dramatischen Zeit zu etwas wie einer großen Rede mit politisch nachvollziehbaren Begründungen für ihr Handeln als Kanzlerin“. Wie konnte das passieren? Die Antwort von Knauß:

„Ein Denken in historischen Dimensionen ist Voraussetzung für politisches Bewusstsein: Es weiß um die grundsätzliche Verletzlichkeit von Ordnungen. Dieses Bewusstsein ist der Mehrheit der deutschen Gesellschaft in der Epoche nach der Wiedervereinigung abhandengekommen – vor allem im Medien- und Politikbetrieb.“

Man glaubte mit dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama an das Ende der Geschichte, das heißt, den Endpunkt der ideologischen Evolution der Menschheit und die weltweite Verbreitung der westlichen liberalen Demokratie als endgültige Form menschlicher Regierung. „Wo man am Ende der Geschichte angelangt ist, da ist auch keine Politik mehr notwendig“.

Die deutsche „Elite“ wollte an das vermeintliche Ende der Geschichte besonders innig glauben, weil es Erlösung von der Schuld und Scham über die Nazi-Verbrechen versprach. Allerdings schoss diese „Elite“, wie schon oft in der Geschichte, weit über das Ziel hinaus. Mit ihrer Hypermoral wollte sie wieder „Vorbild“ für die Welt sein, dem Rest des Globus zeigen, wo es langgeht. Aber weder die „Energiewende“, noch die „Willkommenskultur“ fanden Nachahmer. Stattdessen wird Merkel-Deutschland wieder für seinen Größenwahn verachtet.

Inzwischen meldet sich die Geschichte zurück. Anstelle des Kalten Krieges treten, wie der Gegenspieler Fukuyamas, Samuel Huntington, vorausgesagt hat, die Auseinandersetzungen der Kulturen. Das System Merkel, das Knauß Merkelismus nennt, hat darauf keine Antworten.

Der Merkelismus herrscht noch, wirkt aber bereits wie aus der Zeit gefallen. Merkels letzter Kampf, der Versuch, mit Hilfe eines globalen UN-Migrationspakts ihrer fatalen „Flüchtlingspolitik“ nachträglich eine Legitimation mittels eines völkerrechtlichen Mäntelchens zu verschaffen, scheitert gerade vor unseren Augen. Selbst wenn Deutschland unterschreibt, ist der Pakt schon nicht mehr das, was er werden sollte: Die Initialzündung für eine „globale Migrationsgemeinschaft“ nach deutschem Gusto. Bereits jetzt will die Hälfte der EU-Länder sich nicht diktieren lassen, ihre nationale Politik durch deutsche Standards zu ersetzen. Mehr Länder werden noch folgen. Merkel hat, um der Legitimierung ihrer irrationalen Entscheidungen willen, Deutschland wieder einmal innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft isoliert.

Merkel und Co hinterlassen ein Staatswesen, das weitgehend destabilisiert ist. Der Staat ist verfettet und geschwächt, die Gesellschaft gespalten, die Bürger verunsichert, das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat vermindert. Die Rechnung für ihre Versäumnisse werden in den kommenden Jahren präsentiert werden.“

vera-lengsfeld.de, 2.12.2018: „Die verhängnisvolle Kanzlerschaft“

https://vera-lengsfeld.de/2018/12/02/die-verhaengnisvolle-kanzlerschaft/

Das hatte auch Volker Pispers richtig erkannt. Angela Merkel ist, so komisch das klingt, in gewisser Weise unpolitisch, sie hat überhaupt keine politischen Überzeugungen. Jedenfalls keine, mit denen sie steht und fällt, wie es Pispers ausgedrückt hat. Ich bin sehr unsicher darüber, ob sie überhaupt irgendwelche authentischen Überzeugungen hat.

Volker Pispers – Hier sitze ich,(Frau Merkel), und ihr könnt mich mal – 11.09.2011 – ZDF Kultur https://www.youtube.com/watch?v=dIwPO9iy7LU

Doch Halt! Wenigstens eine authentische Überzeugung hat sie auf jeden Fall: „Ich will Kanzlerin bleiben!“

Wo wir gerade beim real existierenden Merkelismus sind:

Die Schweizer Presse brachte wieder mal einen interessanten Beitrag zum neudeutschen Größenwahn und woher der kommen mag, ein Interview mit einem Historiker:

Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2018: „Der Historiker Andreas Rödder: «Alle haben Angst vor Deutschland, einschliesslich der Deutschen selbst»“ von Claudia Schwartz https://www.nzz.ch/feuilleton/andreas-roedder-angst-vor-deutschland-ld.1439649

Dieser Größenwahn tritt aktuell auch wieder zu Tage. Angela Merkels mögliche Nachfolgerin an der CDU-Parteispitze (und als BuKa?), Annegret Kramp-Karrenbauer („AKK“), hat kürzlich verkündet:

„Wir haben eine Verantwortung! Die Menschen verlassen sich darauf, dass wir unser Land stark machen. Wenn unser Wertesystem Standard überall in der Welt sein soll, geht das nur mit starkem #Deutschland und starkem #Europa. Das ist die Verantwortung, die über die #CDU hinaus reicht.“

Wow! Das Gretele geht richtig in die Vollen. Heute Deutschland, morgen die ganze Welt. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

Das sind so die Momente, in denen eine nostalgische und – ich weiß das auch – natürlich unerfüllbare Sehnsucht nach der Bonner Republik in mir aufsteigt, die noch einen gewissen Sinn für gehörige Bescheidenheit hatte …

Und welches Wertesystem meint AKK eigentlich? David Berger hat dazu die richtigen Fragen gestellt:

Philosophia Perennis, 30.11.2018: „Kramp-Karrenbauer will „Wertesystem“ Merkels zum „Standard überall in der Welt“ machen“ https://philosophia-perennis.com/2018/11/30/kramp-karrenbauer-will-wertesystem-merkels-zum-standard-ueberall-in-der-welt-machen/

Nicht zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass die deutsche Europa-Ideologie eine camouflierte Version des deutschen Hypernationalismus sein könnte, aber weil letzterer sich für die vorbildlich wieder gut gewordenen Deutschen verbittet, müssen sie ihn eben anders ausleben.

Ehe hier Missverständnisse aufkommen: ich bin sehr wohl für Europa. Für einen europäischen Markt, für europäische Zusammenarbeit zur Lösung von Problemen, die die Einzelstaaten alleine nicht lösen können, aber ich bin gegen die Verwandlung der EU in einen zentralistischen, antidemokratischen Megastaat. Die EU hat es geschafft, sich selbst mit Europa gleichzusetzen und wer mit ihr ein Problem hat, kann flugs als „Anti-Europäer“ diffamiert werden. Ginge es nach mir, müsste die EU einer massiven Verschlankung unterzogen werden, sie müsste weniger Möglichkeiten haben, das Prinzip der Subsidiarität zu unterminieren (dem sie theoretisch verpflichtet ist) und falls sie nicht reformierbar sein sollte, kann es meinetwegen gerne mehr Brexits geben. (Ich bin ein großer Fan von „Mr Brexit“ Nigel Farage.) Dann müssen wir eben zusehen, wie wir uns anderweitig organisieren. Ich bin für einen Staatenbund, das ja, aber nicht für Zentralismus und Autoritarismus.

Ich bin für eine pragmatische Herangehensweise an die Europa-Politik. Überhaupt versuche ich zumindest, mir möglichst wenig Ideologien zu eigen zu machen (ob mir das wirklich gelingt, muss ich dem Urteil anderer überlassen) und einfach auf die Resultate von Politik zu schauen und zu bewerten: Was funktioniert? Was ist zweckmäßig? Was ist im Lebensinteresse Deutschlands und Europas? Was brauchen wir? Was brauchen wir nicht? (Den Euro zumindest in seiner bisherigen Form mit zu unterschiedlich starken Ökonomien, die man aus politischen Gründen unter einer Währung zusammenzwingen will, brauchen wir zum Beispiel nicht. Im Gegenteil.)

Bill Mitchell sagte über Donald Trump, er sei ein „resultist.“ Ich glaube, für diesen Ausdruck gibt es keine adäquate deutsche Übersetzung. (Das Wort „Resultatist“ gibt’s im Deutschen nicht, oder? Klingt außerdem ziemlich bescheuert.) Aber er ist leicht zu verstehen. Ein „resultist“ ist jemand, für den die Ergebnisse zählen und der sich nicht von Ideologien abhängig macht. (Oder um es mit Deng Xiao-ping zu sagen: Es kommt nicht darauf an, ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Solange sie Mäuse fängt, ist sie eine gute Katze.)

Auf Trump trifft das zu, er passt in keine vorgefertigte ideologische Schublade. Und auch in Deutschland bräuchten wir mehr Menschen dieser Art, mehr „resultists.“

Ich denke, angelsächsischer Pragmatismus, praktische Vernunft, ist das, was Deutschland eigentlich bräuchte. Aber bei uns finden wir stattdessen eine hochgradig emotionalisierte Gesellschaft, die lieber moralisiert als argumentiert, die mehr auf die Reinheit einer ideologischen Lehre Wert legt als auf praktische Resultate und deren Europa-Ideologie nicht zuletzt auch durch den Selbsthass und durch die Angst vor sich selbst geprägt ist. Europa soll Deutschland verhindern – es ging ja von Anfang an darum, Deutschland einzubinden, was nach 1945 völlig nachvollziehbar war und bis zu einem gewissen Punkt durchaus Legitimität hatte, aber längst eine irrationale Eigendynamik entwickelt hat – und deswegen muss Deutschland ganz dringend in Europa aufgehen. Aber kann man auf einer solchen Negativ-Vision etwas Positives aufbauen?

Wir müssen endlich einmal erkennen, dass unsere Nachbarn diese Haltung mit nichts geringerem als Angst zur Kenntnis nehmen. (Helmut Schmidt hatte ganz Recht, dass wir Deutschen sowohl aufgrund der Geschichte als auch aufgrund der geographischen Lage unseres Landes Rücksicht nehmen müssen auf unsere Nachbarn. Wir haben mehr direkte Nachbarn als zig andere Staaten dieser Welt. Auch Helmut Kohl hatte noch einen Sinn für das gehörige Maß an Rücksichtnahme.)

Für unsere Nachbarn ist das, was jetzt passiert, nichts weiter als eine Neuauflage unberechenbaren Größenwahns: ein Versuch, deutsche Vorherrschaft mit anderen Mitteln durchzusetzen. Das mögen die Berliner Politiker vielfach gar nicht so meinen, aber so kommt es an – und in gewisser Weise stimmt das in der Konsequenz sogar, denn Deutschland ist nun mal die führende Macht in Europa, ob es das will oder nicht. Gleichzeitig missachtet in entscheidenden, existenziell wichtigen Fragen wie der Migration die Souveränität seiner Nachbarn und versucht, ihnen die eigene Politik aufzudrücken. (Stichworte Migrationspakt und Flüchtlingspakt) Und sollte die EU eines Tages ganz offiziell zum Bundesstaat ausgebaut werden, ist es mit Souveränität und funktionierender Demokratie sowieso endgültig vorbei. (In Merkels Staat de facto schon jetzt)

Allerdings bedeutet Deutschlands Aufgehen in einem Megastaat eben auch, dass die deutschen Steuerzahler zu Zahlmeistern der Union werden. Emmanuel Macron, der hoffentlich-bald-nicht-mehr-Präsident Frankreichs, hat angekündigt, die Deutschen müssten lernen, ihren Wohlstand zu teilen, also noch mehr für die Union zahlen. Macron hat auch einen gemeinsamen Haushalt für alle Staaten der Euro-Zone gefordert. Damit wäre die Fiskalunion perfekt … Gute Idee bei Billionen von Schulden, drohender Altersarmut für viele Deutsche, Aushöhlung der hiesigen Sozialsysteme durch Masseneinwanderung in selbige und und und. Einerseits wird Deutschland als Hegemon wahrgenommen und nicht zu Unrecht, andererseits wird es blechen bis der Arzt kommt und natürlich seine Souveränität verlieren. Paradox? Ja, aber so ist die Welt immer wieder.

Spiegel Online, 16.11.2018: „Deutschland und Frankreich einigen sich auf Eurozonenbudget“ von Peter Müller http://www.spiegel.de/wirtschaft/deutschland-und-frankreich-einigen-sich-auf-eurozonen-budget-a-1238931.html

Man traut uns nicht mehr, man fürchtet Deutschlands oberlehrerhafte Selbstgerechtigkeit und die zerstörerische Kraft, die in Gestalt der grün-ideologisierten Politik und in der Politik der abgeschafften Grenzen hervorbricht. Statt endlich etwas zu unternehmen, um geistig zu gesunden und sich von seinen Neurosen zu befreien, versucht Deutschland, mit seiner Politik der grenzenlosen Migration andere Länder in den Strudel der Zerstörung mit hinein zu reißen. Das muss Angst machen und das tut es auch.

Hier ein Beispiel dafür, wie wir im Ausland wahrgenommen werden. Ein Kommentar von Sebastian Gorka, den ich schon einmal empfohlen habe (Publizist, Kämpfer gegen totalitäre Ideologien, Unterstützer und zeitweise Berater von Donald Trump), nach Merkels Belehrungen über die Gefährlichkeit von Nationalismus, die sich wohl auch an den amerikanischen Präsidenten richteten:

Fox News Insider: „’Absolutely Outrageous‘: Gorka Slams Merkel’s ‚Nationalism‘ Remarks on Migration“ (Veröffentlicht: 24.11.2018) https://www.youtube.com/watch?v=IfN92FeooXo

In ihrer Selbstbezogenheit merken viele Deutsche überhaupt nicht, wie wir ankommen bzw. unser Führungspersonal da draußen in der Welt ankommt. Sie gerieren sich als kosmopolitische „Weltbürger“ und haben doch so wenig Ahnung von der Welt jenseits der nicht mehr existierenden Grenzen …

IV. Schaut auf den Bundestag!

Dushan Wegner, 30.11.2018: „Migrationspakt: Im Bundestag fallen die letzten Masken“

https://dushanwegner.com/migrationspakt-klarheit/

Apropos Migrationspakt, siehe auch die Forderungen des EU-Kommissars Dimitris Avramopoulos, der Ende 2015 schon angekündigt hat, Europa brauche binnen 20 Jahren 70 Millionen (!) Einwanderer. (Bassam Tibi hat schon mit Recht festgestellt, dass Europa nach einer solchen Masseneinwanderung nicht mehr als Kontinent mit eigener zivilisatorischer Identität existieren würde. Wenn man bedenkt, dass diese Einwanderer aus einer Kultur kommen sollen, die unseren Werten fernsteht, ist das zutreffend.)

Philosophia Perennis, 3.12.2018: „EU-Kommissar Avramopoulos : „Alle EU-Mitglieder müssen Migrationspakt unterschreiben!“‘ https://philosophia-perennis.com/2018/12/03/eu-kommissar-avramopoulos-alle-eu-mitglieder-muessen-migrationspakt-unterschreiben/

Salzburger Nachrichten, 3.12.2015: „EU-Kommissar: Brauchen über 70 Mio. Migranten in 20 Jahren“ https://www.sn.at/politik/weltpolitik/eu-kommissar-brauchen-ueber-70-mio-migranten-in-20-jahren-1917877

Basler Zeitung, 28.9.2018: „Die grosse Völkerwanderung“ von Bassam Tibi https://bazonline.ch/ausland/europa/die-grosse-voelkerwanderung/story/23505365

V. Endet Macrons Präsidentschaft? (Bitte ja!)

Berichte über die in Frankreich ausgebrochene Anti-Macron-Revolte:

Die Achse des Guten, 24.11.2018: „Heute ist Paris auf der Zinne – die Wutrede im Wortlaut“ von Manfred Haferburg https://www.achgut.com/artikel/heute_steht_paris_auf_die_luft_die_wutrede-im_wortlaut

Die Achse des Guten, 25.11.2018: „Paris gestern: Die Pflastersteine blieben liegen“ von Manfred Haferburg https://www.achgut.com/artikel/paris_gestern_die_pflastersteine_blieben_liegen

Conservo, 26.11.2018: „Ratlos und am Ende – Wie aus einem Macron sehr bald ein Macrönchen wurde“ von Peter Helmes https://conservo.wordpress.com/2018/11/26/ratlos-und-am-ende-wie-aus-einem-macron-sehr-bald-ein-macroenchen-wurde/

Die Achse des Guten, 30.11.2018: „Frankreich, wo gehst Du hin?“ von Manfred Haferburg https://www.achgut.com/artikel/fankreich_wo_gehst_du_hin

Fox News Insider: „’Take a Lesson‘ from Trump: Gorka Blasts Macron Amid Tax Hike Protests in France“ (Veröffentlicht: 2.12.2018) https://www.youtube.com/watch?v=uF45gl51I48

Jede politische Gewalt ist zu verurteilen. Auch die, die bei Teilen der Protestbewegung vorgekommen ist. Aber soweit ich das bisher übersehe, handelt es sich größtenteils um eine friedliche Erhebung der Franzosen … vielleicht ein Funken Hoffnung, dass die ehemalige Grande Nation doch noch zu retten ist und die französische Merkel-Version vorzeitig aus dem Amt jagen kann? Zeit wird’s, denn die Zeit ist knapp.

VI. Richtigstellung: Karl Marx und das Judentum

Ich wurde in einer Zuschrift dafür kritisiert, dass ich Karl Marx als Antisemiten eingeordnet habe.

Allerdings habe ich einen Fehler gemacht, der mich daran erinnert, dass man mit Begriffen sorgfältig umgehen muss. Hier muss etwas klar gestellt werden.

Antisemitismus bezeichnet den rassistisch begründeten Judenhass, wie ihn Wilhelm Marr (1819-1904) in bewusster Abgrenzung zum theologischen Antijudaismus der Kirchen in seinen Schriften entwickelt hat. Er hat den Begriff „Antisemitismus“ – entgegen landläufiger Meinung, die ich auch geteilt habe – nicht erfunden, gilt aber vielen als bedeutendster Vordenker dieser Ideologie.

Marr war eine wandelnde Widerlegung des verbreiteten Irrtums, dass man als Linker per Definition gar nicht antisemitisch sein könne. Er gehörte zur Zeit des Revolutionsversuchs von 1848 dem links-außen-Flügel der radikal-demokratischen Partei im Frankfurter Paulskirchen-Parlament an. Er war ein lupenreiner Judenhasser.

In seiner 1879 erschienenen Schrift „Der Sieg des Germanenthums über das Judenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet“ stellte er die Juden als „parasitäre“ fremde Rasse dar, die die Ausbeutung Deutschland betreibt. 1880 legte er mit seiner Schrift „Goldene Ratten und rothe Mäuse“ eine theoretische Basis für den Glauben an die jüdische Weltverschwörung, die auch hinter Kapitalismus und Kommunismus stecke, und dem später Adolf Hitler anhing. Wobei Marr die Juden noch ausschließlich dem Kapitalismus zuordnete.

Bei Marx lässt sich eine rassistisch begründete Feindschaft gegen Juden nicht feststellen. Deshalb ist die Kritik an mir, in diesem Zusammenhang diesen Begriff benutzt zu haben, zu Recht geäußert. Ich lag falsch.

Sehen wir also genauer hin und schauen wir, ob wir adäquat beschreiben können, wie die Dinge lagen.

Der junge Karl Marx schreibt im Jahr 1843 aus Köln an Arnold Ruge:

„Soeben kömmt der Vorsteher der hiesigen Israeliten zu mir und ersucht mich um eine Petition für die Juden an den Landtag und ich wills tun. So widerlich mir der israelitische Glauben ist, so scheint mir Bauers Ansicht doch zu abstrakt. Es gilt so viel Löcher in den christlichen Staat zu stoßen als möglich und das Vernünftige, so viel an uns, einzuschmuggeln. Das muß man wenigstens versuchen – und die Erbitterung wächst mit jeder Petition, die mit Protest abgewiesen wird.“

Marx äußert vehemente Abneigung gegen die jüdische Religion. Dazu später mehr.

Er erwähnt darüber hinaus einen gewissen Bauer. Dazu ist etwas Hintergrundwissen nötig. Seine Bemerkung bezieht sich auf den mit ihm befreundeten Bruno Bauer, der in jenem Jahr die Schrift „Die Judenfrage“ veröffentlichte.

Es ging um die rechtliche Gleichstellung der Juden – bzw. der jüdischen Männer (an Gleichberechtigung der Frau ward noch nicht gedacht) – als vollwertige Staatsbürger in den deutschen Ländern. Das napoleonische Frankreich hatte es als erstes europäisches Land den Juden überlassen, ihre Religion als Privatsache weiter zu praktizieren, aber in seiner zivilen Verfassung zwischen christlichen, jüdischen, agnostischen und sonstigen Bürgern keinen Unterschied mehr machte. Die persönliche Konfession galt als privat auszuübendes Menschenrecht. Die napoleonische Besetzung von Teilen der deutschen Lande führte dazu, dass auch in einigen von ihnen derartige Gesetzesänderungen folgten. Preußen verfügte im Jahr 1812 im Rahmen seiner Reformen – die eine Reaktion auf die Niederlage gegen Napoleon waren – ein „Emanzipationsedikt“ für seine jüdischen Untertanen. Die protestantische Kirche genoss allerdings deutliche Vorrechte, in Preußen nahm sie die Stellung einer Staatskirche ein.

Noch gab es in den meisten Ländern keine rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bürger. Die Debatte darüber ging also weiter.

Bruno Bauer wandte sich gegen eine bürgerliche Gleichstellung der Juden in einem immer noch als christlich verstandenen Staat. Er hatte zwei Argumente: Erstens müssten sich die Menschen zu allererst von der Religion an sich emanzipieren. Die Emanzipation von der Religion war für ihn die Grundlage der Emanzipation überhaupt. Auch die Christen waren schließlich nicht emanzipiert.

Zweitens wandte Bauer ein, der damalige Staat kenne doch eigentlich keine Bürger, sondern Untertanen, die in unterschiedliche Stände mit unterschiedlichen Rechten aufgeteilt waren. Ob die Erfahrung der Juden vor diesem Hintergrund nicht eine allgemeine sei, fragte er.

Eine Privilegierung kam für Bauer nicht in Frage, weil für ihn damit nur die ohnehin existierende Privilegienstruktur des feudalen Ständestaates bestätigt würde. Zunächst müsse sich der Staat von jeglicher Religion emanzipieren, überhaupt keine Religion dürfe noch staatlich begünstigt werden, auch nicht die christliche.

Das klingt im Moment noch unbedenklich und doch kommt man nicht umhin, festzustellen, dass auch Bauers Schriften ein gerüttelt Maß an theologischem Antijudaismus und Antisemitismus enthielten, obwohl der Begriff „Antisemitismus“ in dieser Zeit noch nicht bekannt war, wie Micha Brumlik notiert. Bauer schreibt:

„Alle Versicherungen auch des aufgeklärtesten Juden, daß er an eine selbständige Nationalität „seines Volks“ nicht denke, sind, so aufrichtig es mit ihnen auch gemeint seyn mag, illusorisch. Indem er sie ausspricht, muß er sie in demselben Augenblicke und mit denselben Worten, mit denen er sie vorträgt, revociren und verläugnen. So lange er Jude seyn will, kann und darf er sein Wesen, die Auschließlichkeit, den Gedanken seiner besonderen Bestimmung, der Alleinherrschaft, kurz die Chimäre des ungeheuersten Privilegiums nicht verläugnen und es ist nur umso schlimmer für ihn, wenn er diese Chimäre in demselben Augenblicke, da er gegen sie protestirt, noch hegt und sich zu ihr bekennt – – es ist der Beweis, daß der Gedanke des Privilegiums mit seinem Wesen verwachsen ist.“

Juden können laut Bauer also nicht wirklich dazu gehören, wenn sie Juden sein wollen. Allen gegenteiligen Versicherungen zum Trotz. Wer Jude sein will, muss nach Bauer nach „Alleinherrschaft“ streben, an eine „besondere Bestimmung“ glauben, die ihn über andere erhebt. Die Gedanke eines Privilegiums ist „mit seinem Wesen verwachsen“, schreibt Bauer. Sein Wesen – bzw. das, was Bauer dafür hielt – kann und darf er nicht verleugnen, solange er Juden sein will. Also ein Jude hält sich per Definition für was Besseres, habe ich’s richtig verstanden? Er kann gar nichts anderes sein?

Noch heute hält sich die Fehlvorstellung unter Judenhassern, dass die Lehre vom „auserwählten Volk“ die Erhebung über andere meine und nichts anderes sei als Herrenmenschendenken.

Zwar gibt es auch unter Juden – wie unter allen anderen – bigotte Menschen und religiöse Fundamentalisten.

Aber die Lehre vom „auserwählten Volk“ ist keine Herrenmenschideologie, sondern die Lehre von einer besonderen Verantwortung, die die Juden zu tragen haben. Viele haben das nicht verstanden, haben sich nie damit beschäftigt und kommen zu fatalen Fehlschlüssen.

Deutschlandfunk Kultur, 2.4.2010: „Fluch oder Segen? Die Juden als auserwähltes Volk“ von Jens Rosbach,  https://www.deutschlandfunkkultur.de/fluch-oder-segen.1079.de.html?dram:article_id=176190

Darüber hinaus scheint Bauer Differenzierungen dieser Art gar nicht gelten zu lassen. Für ihn gilt: wer Jude sein will, muss an eine besondere Bestimmung im Sinne von „Ich bin was Höheres“ und an eine Berufung zur „Alleinherrschaft“ glauben.

Bauer behauptet, aufgrund ihres Sonderglaubens hätten die Juden dem menschlichen Fortschritt bisher feindlich gegenüber gestanden und sich der Gesellschaft, in der sie leben, nicht anpassen wollen. Unterm Strich heißt das also, sie seien selber schuld an ihrer Lage.

Bauer schrieb zwar von der Emanzipation von Religion im Allgemeinen, aber er hob das Judentum als eine geringerwertige, niedere Religion im Vergleich zum Christentum hervor. Der Christ habe nur seine Religion aufzugeben, der Jude habe sich selbst „ganz und gar“ aufzugeben.

Auch kommt bei ihm das Stereotyp vom bösen jüdischen Geldverleiher vor, der die Menschen ausbeutet.

Zu Bauers Verteidigung lässt sich lediglich anführen, dass er in dieser frühen Zeit seine Ablehnung dessen, was er für jüdische Identität hielt, nicht rassistisch begründet. Sein Endziel war, wie Micha Brumlik schreibt, ein laizistischer Staat, in dem die Juden ihre jüdische Identität freiwillig aufgegeben haben werden.

Aber die judenfeindlichen Stereotype, die zu Bestandteilen des modernen Antisemitismus gehören, lassen sich nicht überlesen und nach dem Scheitern des Revolutionsversuchs von 1848 wurde Bauer zum offenherzigen antijüdischen Agitator, dessen Tiraden in der „Kreuzzeitung“ veröffentlicht wurden.

Aber schon 1843 taucht bei Bauer folgender Gedanke auf:

„Im wirklichen Staat und in der Staatengeschichte muß der Jude als solcher immer ein fremdes Element bleiben, nicht deshalb, weil er eine besondere Nationalität hat, sondern deshalb, weil seine Nationalität eine chimärische, keine wirkliche, also auch nicht fähig ist, mit den wirklichen Nationalitäten zu verschmelzen.“

Das ist nun das klassische judenfeindliche Stereotyp schlechthin: dass die Juden immer ein „Fremdkörper“ sind, sich nie anpassen, nie wirklich Teil der jeweiligen Nation sein können. Da können sie noch so gut integriert und assimiliert sein, dieser Vorwurf wird von Judenhassern immer erhoben werden. Diese Vorstellung scheint gegen Vernunft und Empirie immun zu sein.

Nun kommen wir zu Karl Marx:

Er hatte Einwände gegen Bruno Bauers Theorie. Er hielt eine politische Emanzipation der Juden im „christlichen Staat“ grundsätzlich für durchaus möglich.

Allerdings gab es laut Marx’scher Theorie einen Unterschied zwischen politischer und menschlicher Emanzipation und die erstere sollte nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur letzteren sein. Am Ende ging es darum, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein Geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Die kapitalistische Gesellschaft sollte gestürzt und eine sozialistische an ihre Stelle gesetzt werden. Solange die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft noch bestand, war für Marx die Emanzipation der Juden nichts anderes als ihre „Auslieferung“ an diese Gesellschaft, die es doch als Fernziel zu überwinden galt.

Die Kapitalistenklasse musste entmachtet werden, die Geldwirtschaft stand im Fokus von Marx‘ Kritik.

Über die zahlreichen Irrtümer und Ideen des Karl Marx werde ich hier nicht en detail schreiben können. (Ich habe schon darauf hingewiesen, dass Kapitalismus per se nicht unser Problem ist. Der Kapitalismus (Marktwirtschaft auf der Basis von Eigentumsrecht und Vertragsfreiheit) hat mehr gegen Armut und Hunger ausgerichtet als alle Sonntagsreden linker Politiker. Wenn, dann ist Korporatismus das Problem.) Ich möchte an dieser Stelle nur auf seine Äußerungen über das Judentum eingehen.

Marx zeichnet in seiner Replik auf Bauer ein Bild vom Judentum, das in wesentlichen Teilen dem entspricht, was auch moderne Antisemiten glauben.

Allerdings war Marx selbst laut Thomas Haury kein Antisemit, weil wesentliche Merkmale des modernen Antisemitismus in seinem Weltbild nicht vorkommen. Es gibt bei ihm keine jüdische Weltverschwörung, die hinter allen Übeln steckt, es gibt keine rassistisch begründete Feindschaft gegen Juden, und Marx gibt den Juden nicht die Schuld an dem Glauben, den sie – seiner Meinung nach – haben und an dem, was sie – seiner Meinung nach – tun.

Für Marx war Religion als „verkehrtes Weltbewusstsein“ nicht die Ursache, sondern das Produkt einer „verkehrten Welt.“ Demzufolge ist für Marx auch die jüdische Religion das Produkt der konkreten Daseinsumstände.

Was Marx dann allerdings konkret schreibt, hat es in sich. Ich zitiere jetzt eine Passage aus seiner Schrift „Zur Judenfrage“:

„Das Judentum hat sich neben dem Christentum gehalten, nicht nur als religiöse Kritik des Christentums, nicht nur als inkorporierter Zweifel an der religiösen Abkunft des Christentums, sondern ebensosehr, weil der praktisch-jüdische Geist, weil das Judentum in der christlichen Gesellschaft selbst sich gehalten und sogar seine höchste Ausbildung erhalten hat. Der Jude, der als ein besonderes Glied in der bürgerlichen Gesellschaft steht, ist nur die besondere Erscheinung von dem Judentum der bürgerlichen Gesellschaft.

Das Judentum hat sich nicht trotz der Geschichte, sondern durch die Geschichte erhalten.

Aus ihren eignen Eingeweiden erzeugt die bürgerliche Gesellschaft fortwährend den Juden.

Welches war an und für sich die Grundlage der jüdischen Religion? Das praktische Bedürfnis, der Egoismus.

Der Monotheismus des Juden ist daher in der Wirklichkeit der Polytheismus der vielen Bedürfnisse, ein Polytheismus, der auch den Abtritt zu einem Gegenstand des göttlichen Gesetzes macht. Das praktische Bedürfnis, der Egoismus ist das Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft und tritt rein als solches hervor, sobald die bürgerliche Gesellschaft den politischen Staat vollständig aus sich herausgeboren. Der Gott des praktischen Bedürfnisses und Eigennutzes ist das Geld.

Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein andrer Gott bestehen darf. Das Geld erniedrigt alle Götter des Menschen – und verwandelt |375| sie in eine Ware. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst konstituierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschenwelt wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dies fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an.

Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. Der Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden. Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel.

Die Anschauung, welche unter der Herrschaft des Privateigentums und des Geldes von der Natur gewonnen wird, ist die wirkliche Verachtung, die praktische Herabwürdigung der Natur, welche in der jüdischen Religion zwar existiert, aber nur in der Einbildung existiert.

(…)

Was in der jüdischen Religion abstrakt liegt, die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck, das ist der wirkliche bewußte Standpunkt, die Tugend des Geldmenschen. Das Gattungsverhältnis selbst, das Verhältnis von Mann und Weib etc. wird zu einem Handelsgegenstand! Das Weib wird verschachert.

Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen.

Das grund- und bodenlose Gesetz des Juden ist nur die religiöse Karikatur der grund- und bodenlosen Moralität und des Rechts überhaupt, der nur formellen Riten, mit welchen sich die Welt des Eigennutzes umgibt.“

Aus diesen Zeilen sprechen die alten antijüdischen Ressentiments, die man zur Genüge kennt. Juden als raffgierige, materialistische, kalte, betrügerische Wucherer und Ausbeuter.

Marx macht die Juden zwar weder historisch noch moralisch zu Schuldigen an diesen von ihm so wahrgenommenen Zuständen, an der Geldwirtschaft und am Schacher, denn ursächlich dafür ist bei ihm die „verkehrte Welt“, aber es lässt sich trotzdem nicht leugnen, dass wir hier genau die verzerrte, dämonisierende Vorstellung vom Judentum und den Juden lesen können, die auch im alten Antijudaismus und im modernen Antisemitismus zu finden ist.

Bei Marx findet sich keine rassistisch begründete Judenfeindschaft, kein Aufruf, die Juden als Menschen zu bekämpfen, auszugrenzen, zu vertreiben oder gar zu ermorden. Es gibt bei ihm nicht die Behauptung einer finsteren jüdischen Verschwörung, die für den angeblich so bösen Kapitalismus und mehr verantwortlich wäre. Marx war kein Wilhelm Marr.

Für den modernen Antisemiten ist der Jude immer der „ewige Jude.“ Selbst wenn er zu einer anderen Religion konvertiert, selbst wenn ihm Religion völlig wurscht ist, gibt es kein Entkommen. Das Problem des Antisemiten ist, dass Juden überhaupt existieren. Solange das so ist, hat er nimmer Ruh. Also müssen sie weg. Der Antisemit lässt Juden keinen Ausweg mehr. Was sie auch tun, was sie auch sind, immer ist es falsch. Passen sie sich an, haben sie sich in den „Volkskörper“ eingenistet. Bewahren sie jüdische Religion und Kultur, halten sie sich für was Besseres. Sind sie arm, sind sie Schnorrer. Sind sie reich, sind sie Ausbeuter. Sind sie klug, sind sie arrogant. Sie sind sie blöde, fallen sie den Mitmenschen zur Last. Der Antisemit wird alles, was Juden sind oder tun, gegen sie verwenden. Alles.

In der Tat war meine Verwendung des Begriffs „Antisemitismus“ im Zusammenhang mit Marx‘ Theorie falsch. Aber das bedeutet nicht, dass ich jetzt zu einem positiven Urteil über seine Behauptungen komme. Ganz im Gegenteil.

Erstmal bekundete der junge Marx im Jahr 1843 selbst, dass ihm die jüdische Religion – ich zitiere ihn noch einmal – „widerlich“ sei.

Also eine negative Voreingenommenheit ist von ihm selbst bezeugt.

Darüber hinaus hat Marx ausweislich seiner eigenen Zeilen judentumsfeindliche Stereotype offenbar so tief verinnerlicht, dass er sie ganz selbstverständlich übernahm.

Ja, man kann durchaus argumentieren, dass er mit dem Verweis auf die „verkehrte Welt“ das Verhalten der von ihm so genannten „Alltagsjuden“ zu entschuldigen versuchte. Die von ihm so wahrgenommenen Juden sind nur ein Produkt dieser schlechten Welt, die von Grund auf verändert werden muss.

Aber warum hat er nicht ganz grundsätzlich hinterfragt und auseinander genommen, was die Judenhasser glaubten, dass „Alltagsjuden“ sind? Er hat es offenbar nicht für nötig befunden, diese hasserfüllten Stereotype an sich anzugreifen.

Es liest sich für mich, als konzediere er den Judenhassern, dass sie mit ihren Vorstellungen eigentlich Recht hätten.

Dass er dann die Juden in gewisser Weise in Schutz nimmt und ausführt, dass sie selber ja nicht daran schuld seien, dass sie so sind wie sie (aus seiner Sicht) sind, das lässt das Gesamtbild nicht wirklich positiv erscheinen. In keiner Weise.

Marx selber war kein moderner Antisemit, aber er hatte judenfeindliche Ressentiments offenbar so selbstverständlich verinnerlicht, dass er gar nicht auf die Idee kam, sie zu hinterfragen. Was die Zeitgenossen über die Juden sagten, das nahm er einfach so hin. Und das spricht dafür, dass er diese hasserfüllten Vorurteile teilte.

Nicht zum ersten Mal frage ich mich, ob es so etwas wie „versehentliche“ Judenhasser geben könnte oder Judenhasser, die gar nicht merken, dass sie welche sind. Oder vielleicht ist „Hasser“ zu hart, vielleicht ist es so, dass viele Europäer aufgrund der Jahrhunderte alten Tradition der Judenfeindschaft gewisse Vorstellungen so tief verinnerlicht haben und so selbstverständlich für wahr halten, dass sie sich gar nicht bewusst sind, dass sie Stereotypen anhängen, die auch von Judenhassern vertreten werden.

Gerade da wird es aber gefährlich, denn das bedeutet, dass die Unbedarften und Ahnungslosen von Judenhassern für ihre Zwecke geködert werden können.

Last but not least muss hinzugefügt werden, dass Marx‘ Schrift „Zur Judenfrage“ für die Entwicklung des linken Antisemitismus nicht maßgeblich war. Da kamen ganz andere Theoretiker – wie eben der erwähnte Wilhelm Marr – und Faktoren ins Spiel.

Quellen:
Micha Brumlik: „Karl Marx – ein Judenfeind der Gesinnung, nicht der Tat“ http://michabrumlik.de/micha-brumlik-karl-marx-ein-judenfeind-der-gesinnung-nicht-der-tat-2/
Mission Impossible, 24.10.2017: „Karl Marx und die „Judenfrage“‘ von M. Breitenberger https://thinktankboy.wordpress.com/2017/10/24/karl-marx-und-die-judenfrage/
Karl Marx: „Zur Judenfrage“ (Geschrieben im August bis Dezember 1843) http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_347.htm
Tapfer im Nirgendwo, 25.8.2016: „Linker Judenhass – Eine Geschichte der Verharmlosung“ von Gerd Buurmann https://tapferimnirgendwo.com/2016/08/25/linker-judenhass-eine-geschichte-der-verharmlosung/
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*) Der renommierte Blogger Adrian F. Lauber – „auf Lebenszeit“ von Facebook verdammt – ist seit November 2017 regelmäßig Autor auf conservo.
www.conservo.wordpress.com   16.12.2018
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