Nov 6, 2019
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Kuwaitischer Ex-Minister: „Der Gerede über die Briten und den Kolonialismus ist Unsinn“

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Viele Araber geben dem westlichen Kolonialismus die Schuld für die Missstände arabischer Gesellschaften. Ein ehemaliger kuwaitischer Minister widerspricht: 90 Prozent dessen, was über arabische Geschichte erzählt wird, ist falsch.

Sami Abdullatif Al-Nesf: „Die Engländer unterzeichneten das Sykes-Picot-Abkommen. Die Araber haben durch das Sykes-Picot-Abkommen nichts verloren. Im Gegenteil, sie haben Mosul gewonnen. Die Araber erhielten Mosuls 90.000 Quadratkilometer von den Engländern. Sie hatten keinen Anspruch darauf. Es hatte ein Waffenstillstandsabkommen zwischen der englischen und der türkischen Armee gegeben, und die Engländer zogen ein und annektierten Mosul. Wir haben es den Engländern nie gedankt, dass sie der arabischen Welt Mosul gegeben haben. (…) Es wird behauptet, dass die Briten die arabische Einheit verhinderten, aber haben sich die Araber vereinigt, als die Briten gingen, oder haben sie sich in 22 Länder aufspalteten? Jetzt fürchten wir um den Irak, weil Kurdistan und der Süden sich trennen könnten. (…) Warum geben wir den Briten die Schuld und sagen, dass sie unsere Einheit verhindert haben? (…)

Die Balfour-Deklaration selbst schuf keinen [jüdischen] Staat. Man könnte sagen, dass die Erklärung 10% der Verantwortung [für die Gründung Israels] trägt. Allein Hitler – den die Araber preisen und dessen Bild man überall sehen kann – trägt 30-40% der Verantwortung für die Gründung Israels, weil er eine politische zu einer humanitären Angelegenheit machte. (…)

Ich würde sagen, dass Hajj Amin al-Husseini, der all diese Fehler gemacht hat, 40% [der Verantwortung für den Aufbau Israels] trägt. (…) Im Laufe von 30 Jahren – von 1917 bis 1947 – traf er keine einzige richtige Entscheidung. Alle seine Entscheidungen waren falsch. Hätten wir dafür nicht einen Preis zahlen sollen? Doch, natürlich hätten wir das. Stellen Sie sich vor, ich hätte Sie ausgewählt, um in meinem Namen zu verhandeln, aber Sie haben sich als unqualifiziert herausgestellt – soll ich den Preis zahlen? Ja, das soll ich.

Wir sollten nicht dabei übertreiben, den Briten die Schuld geben. Auch nach 1945 wird über den britischen Kolonialismus gesprochen. 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, entschied die Regierung von Clement Attlee, der das Buch ‚Mein letzter Sieg‘ schrieb, dass der Kolonialismus nutzlos war, und sie zogen sich zurück, um den Kolonialismus zu beenden. Alles, was nach 1945 über diesen oder jenen patriotischen Helden gesagt wurde, der gegen den Kolonialismus kämpfte und Länder befreite … Das ist alles Unsinn. (…) Vieles von dem, was über Großbritannien gesagt wurde, ist nicht wahr – wie in 90% der Fälle in unserer Geschichte. Vielleicht können wir uns eines Tages zusammensetzen und jeden Fall einzeln diskutieren. Sie werden sehen, dass es das genaue Gegenteil der Wahrheit ist.“ (Interview mit dem ehemaligen Informationsminister von Kuwait, Sami Abdullatif Al-Nesf: „Arabs Should Stop Accusing British Colonialism of Preventing Arab Unity; We Are the Ones Who Failed to Unite After Sykes-Picot Agreement; Pan-Arab Historians Are Liars“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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