Mrz 27, 2019
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„Ich frage mich, warum IS-Täterinnen in Deutschland so gut wegkommen“

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Düzen Tekkal (Von Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de, WikiCommons)

„Überhaupt die Frauen, die die Hölle in der IS-Gefangenschaft durchgemacht haben. In Deutschland hat sich der furchtbare Begriff ‚Sex-Sklavin‘ für die Opfer eingebürgert, dabei hat das mit Sex gar nichts zu tun, das ist reine Gewalt, wir reden hier von brutalsten Vergewaltigungen. Und natürlich hört niemand gerne davon, dass zehnjährige Mädchen vergewaltigt und geschwängert wurden, aber das Unrecht wird nur noch größer, wenn es beschwiegen wird.

Aber Frauen sind nicht nur Opfer, sie können auch Täter sein. Die Frauen, die in Gefangenschaft waren, sagen mir immer wieder, wie brutal die IS-Frauen zu ihnen waren. Dass die IS-Frauen in den Jesidinnen keine Menschen oder Geschlechtsgenossinnen sahen, sondern Sklavinnen – angeblich sogar durch ihre Religion legitimiert. Oder, wie eine Überlebende es mir schilderte: ‚Einmal bin ich zu einer Mutter eines IS-Kämpfers gegangen und habe ihr die Füße geküsst. Und gesagt, wir sind doch beide Frauen. Und die Mutter hat mich mit den Füßen getreten und gesagt: Du bist Sklavin, keine Frau. Von mir wirst du keine Solidarität bekommen. Es ist gut, dass mein Sohn dich vergewaltigt.‘ (…)

Ich frage mich auch, warum die Täterinnen des IS in Deutschland so gut wegkommen. Warum eigentlich werden sie verniedlichend als ‚IS-Bräute‘ bezeichnet, obwohl sie sich nachweislich an den Verbrechen beteiligt haben? Schließlich die Videos, die von gefangen genommenen IS-Frauen aufgenommen wurden. Wie sie in Rojava in Syrien von den Verteidigungseinheiten interviewt werden und keine Spur von Reue zeigen. Stattdessen heißt es nur: ‚Wir mussten das befolgen, was im Koran steht. Was da genau drinsteht, weiß ich zwar auch nicht, aber jesidische Frauen sind Ungläubige.‘ Wenn Frauen eine Hälfte des Himmels tragen, was ist dann mit der Hölle? Lasst uns aufhören so zu tun, als wenn Frauen keine Täterinnen sein können – meine Solidarität gilt allein den Opfern.“ (Düzen Tekkal: „Was soll mit inhaftierten IS-Kämpfern geschehen?“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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