Okt 23, 2019
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Fundstück: Arm oder reich? Ihr Abwasser weiß es!

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(Fundstück von Ulrike Stockmann)

„Reichere und ärmere Wohnviertel unterscheiden sich erheblich, wenn man wie jetzt australische Wissenschaftler das Abwasser untersucht und mit sozioökonomischen Daten verbindet“, meldet Heise. Unsere Hinterlassenschaften verraten also unseren Lebensstil.

Die Forscher haben „an sieben aufeinanderfolgenden Tagen Proben von 22 Kläranlagen entnommen und nach 42 Biomarkern analysiert (…) Die Ergebnisse wurden verglichen mit Ergebnissen der Volkszählung 2016, die Aufschluss gaben über die Mietpreise, Arbeitslosenquote oder Ausbildungsgrad in den untersuchten Gebieten, aber auch über die Medikamente und Drogen“, heißt es weiter.

Im Klartext bedeutet das: Mehr Obst, Gemüse und Getreide bei den Wohlhabenderen (u.a. mehr Hinweise auf den Verzehr von Zitrusfrüchten), aber auch mehr Kaffee und Alkohol. In ärmeren Vierteln fanden sich im Abwasser hingegen mehr Spuren von verscheibungspflichtigen Medikamenten gegen Depression, hohen Blutdruck und chronische Schmerzen.

Heise fragt abschließend, „ob geringes Einkommen und geringe Bildung zu einer ungesünderen Ernährung und erhöhtem Medikamentenkonsum führt oder ob umgekehrt das Aufwachsen in einem Umfeld mit schlechter Ernährung und Gesundheit die Wahrscheinlichkeit erhöht, wenig zu verdienen und keine höhere Bildung zu erhalten.“

Mir fällt da spontan Bertolt Brechts „Ballade vom angenehmen Leben“ aus der Dreigroschenoper ein, wo es heißt: 

„Ihr Herrn, urteilt jetzt selbst: ist das ein Leben?
Ich finde nicht Geschmack an alledem
Als kleines Kind schon hörte ich mit Beben:
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.

Da preist man uns das Leben großer Geister
Das lebt mit einem Buch und nichts im Magen
In einer Hütte, daran Ratten nagen.
Mir bleibe man vom Leib mit solchem Kleister!
Das simple Leben lebe, wer da mag!
Ich habe (unter uns) genug davon
Kein Vögelchen, von hier bis Babylon
Vertrüge diese Kost nur einen Tag.
Was hilft da Freiheit, es ist nicht bequem
Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm.

(…)

Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.

(…)“

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