Mai 2, 2019
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Flüchtlinge nicht für alle Probleme verantwortlich: Sind Flüchtlinge schuld am Mietenwahnsinn?

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Für die Rolle der EZB oder der Finanzinvestoren interessieren sich erstaunlicherweise einige Kommtentatoren sehr viel weniger als für die Schuld der Flüchtlinge.

Auch dazu kann man die Fakten sprechen lassen.

Baden-Württemberg hat heute knapp 600.000 Einwohner mehr als 2011. Flüchtlinge sind davon etwa 150.000. Die anderen Zuwanderer, also 450.000 oder rund 3/4 sind hierhergezogen, weil die Wirtschaft boomt und sie braucht. Viele davon aus Südeuropa, wo die Arbeitslosigkeit leider vor allem bei jungen Menschen hoch ist.

Flüchtlinge leben zu mehr als 80% in Unterkünften, die von den Gemeinden bereit gestellt werden. Dort stehen ihnen etwa 20m2 pro Person zur Verfügung. Das ist weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Wohnflächenbedarfs von 45m2.

Damit sind Flüchtlinge etwa für 1/8. (die Hälfte von 1/4) des zusätzlichen Wohnflächenbedarfs in diesem Jahrzehnt in Baden-Württemberg verantwortlich.

Auf dem freien Wohnungsmarkt sind sie aber kaum aufgetaucht. In Tübingen haben wir mit Hilfe eines speziellen Förderprogramms für rund 1000 Flüchtlinge neue Wohnungen gebaut. Diese Wohnungen gäbe es ohne die Unterbringungskrise 2015 gar nicht. Also hatte das auch keinen Einfluss auf die Mieten.

Ergebnis der Rechnung: Der Beitrag der Flüchtlingen zum Mietpreisproblem in den Städten in Deutschland liegt in der Größenordnung von 10%.

Die Hauptfaktoren sind: Nullzinspolitik der EZB und daher Marktpreisinflation für Immobilien, Spekulation mit Baugrundstücken, die Binnenwanderung in die Schwarmstädte, Verkauf von öffentlichen Wohnungsbeständen und Verlust von 3/4 der Sozialwohnungen.

Ich finde es falsch, die Probleme mit Flüchtlingen zu verharmlosen. Genau so falsch ist es aber, sie für alle Probleme verantwortlich zu machen.

von Boris Palmer

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Klare Kante · The European · The European

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