Nov 2, 2019
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Erneut Antisemitismus bei Aalster Fasching in Belgien

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Die Macher des antisemitischen Umzugswagens von 2019 treten mit einer Werbekampagne an die Öffentlichkeit, die die Vorwürfe gegen die Gruppe bestätigt.

Antisemitische Werbebänder für den Karneval in Aalst (Quelle: Twitter. Zur Vergrößerung auf Bild klicken)

„Man stelle sich Bilder von ultraorthodoxen Juden mit riesigen roten Hakennasen und stark hervorstehenden Zähnen vor, die eine Thora Rolle unter ihren Armen halten, sich ihre Händen reiben, mit den Schultern zucken oder jammern und eine hyper-bunte Variante pseudo-chassidischer Kleidung tragen. Man könnte es dem Leser nachsehen, wenn er jetzt denken würde, dass es sich hierbei um eine psychedelische Version des ‚Stürmer‘ handelt. Aber in Wirklichkeit sind dies die Werbebanner für den im Frühjahr 2020 in der belgischen Kleinstadt Aalst stattfindenden Karneval.

Wenn der Name Aalst Ihnen etwas sagt, dann deshalb, weil der dortige Karneval im Jahr 2019 auch von Kontroversen erschüttert wurde, die sich einer Parade mit zwei riesigen grotesken Puppen verdankt, die Juden im chassidischen Stil darstellen sollten, die auf Geldsäcken sitzen und von Ratten, Euro-Zeichen und Münzen umgeben waren. Der Text des Begleitlieds bezog sich auf ‚prall gefüllte Kassen‘ und ‚Juden, die besonders fett werden‘.

Der Festwagen von 2019 löste bei der belgischen jüdischen Gemeinde verärgerte Reaktionen aus, die ihr bitteres Erstaunen darüber zum Ausdruck brachte, dass die antisemitischen Bilder ein Grund zum Feiern waren. Diese Reaktion hallte in ganz Europa wieder, bis hin zu jüdischen Antirassismusgruppen in den USA. Die Internationale Bewegung für Frieden und Koexistenz reichte einen Petition bei der UNESCO ein, um den Aalster Karneval von der Liste des ‚Immateriellen Kulturerbes der Menschheit‘ zu streichen. (…)

Aber in Belgien unterstützten der Bürgermeister von Aalst, nationale Politiker, Intellektuelle, Journalisten und Online-Kommentatoren mit überwältigender Mehrheit die Festwagenhersteller und verurteilten die ‚Überempfindlichkeit‘ der Juden aufs Schärfste. Sie argumentierten, dass der Karneval eine Zeit der Respektlosigkeit sei, in der jeder und alles verspottet werden könne und solle. Es hätte keinerlei finsteren Absichten dabei gegeben. (…)

Der antisemitische Umzugswagen von 2019 (Quelle: Twitter. Für Video auf Bild klicken)

Die Vismooil’n-Gruppe bestritt derweil, dass ihr Wagen antisemitisch war. Sie erklärte, dass sie das Thema eines ‚Sabbatical Year‘ gewählt hätte, weil ihnen das Geld ausgehen würde – und von da an war es nur natürlich, jüdische Karikaturen zu verwenden, um dies zu veranschaulichen. Was sie jedoch inszenierten, war eine Szene, in der ultraorthodoxe Juden auf Geldsäcken standen, während die Bankkonten der Gruppe leer waren, was die Juden implizit (und fälschlicherweise) für die finanziellen Schwierigkeiten der Gruppe die Schuld zuschob. Der Leiter der belgischen Liga gegen Antisemitismus fasste die Argumentation etwas anders zusammen: ‚Die Preise steigen, wen beschuldigen sie also? Den fetten, gierigen Juden’ (…)

Wenn schon die wiederholten Behauptungen der Festumzugswagen-Macher von 2019, dass sie niemanden beleidigen wollten, nicht sehr glaubwürdig wirkten, dann zeigen die diesjährigen Werbebanner – mit denen die Karikaturen von Juden trotz des anhaltenden Skandals erneut in den Mittelpunkt gerückt werden – endgültig, dass die Erklärung eines ‚unschuldigen Humors‘ nicht haltbar ist. Tatsächlich hat Kris Vonck, der Schöpfer des Werbebanners, seine rachsüchtige Absicht anerkannt: ‚Schlagt uns nicht auf die Finger, denn wenn Ihr dies tut, werden wir doppelt so hart zurückschlagen.‘ (…)

Auf einem Banner, das wohl am schlimmsten ist, ist ein abstoßend karikierter ultraorthodoxer Jude zu sehen, der in der einen Hand ein Kreuz und in der anderen ein Buch über Aalst hält und schreit: ‚Aalst gehört uns !!‘“ (Flora Cassen, Haaretz: „‚Jews Don’t Get Our Humor‘: How a Belgian Town Is Doubling Down on Its anti-Semitism“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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