Aug 20, 2019
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Erdogans Kampfansage an Saudi-Arabien

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„Seit 800 Tagen blockieren Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und einige arabische Verbündete den Golfstaat Katar. Treibende Kraft dahinter ist der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS). Er hat die Beendigung des Boykotts an mehrere Forderungen geknüpft. Eine davon: die Schließung des 2016 eröffneten türkischen Militärstützpunkts in Katar. Katars Emir Tamim bin Hamad lehnt diese Forderung ab. Stattdessen wird er noch im Herbst im Beisein von Recep Tayyip Erdogan eine zweite türkische Militärbasis in Katar eröffnen. Das hat die Erdogan-nahe türkische Zeitung ‚Hürriyet‘ am Mittwoch berichtet. (…)

Mit dem Ausbau der türkischen Armeepräsenz setzen die Regierungen in Doha und Ankara deutliche Zeichen:

  • Erdogan demonstriert, dass er trotz seines schwindenden Rückhalts und der Wirtschaftskrise in der Türkei an seinen Plänen festhält, den Einfluss seines Landes im Nahen Osten auszubauen. Zugleich soll die zweite Militärbasis türkische Wirtschaftsinteressen im Falle einer weiteren Eskalation der Irankrise am Persischen Golf sichern.
  • Emir Tamim zeigt, dass die von Saudi-Arabien initiierte Blockade keinen Einfluss auf seine Politik hat. Weder macht er Anstalten, den in Doha ansässigen Nachrichtensender Al Jazeera zu schließen, wie von Riad gefordert. Noch will er sein Bündnis mit Erdogan aufkündigen.

Im Gegenteil: Katar und die Türkei haben seit dem Beginn der Blockade im Juni 2017 ihre politische, wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit kontinuierlich ausgebaut. Ankara ist der wichtigste Partner des isolierten Golfemirats in der Region geworden. (…) Mohammed bin Salman dürfte diese Entwicklung als Affront betrachten: Er bezichtigt die Regierungen in Ankara und Doha, an der Spitze einer Allianz mit den Muslimbrüdern zu stehen. Diese verfolge das Ziel, die Regime in möglichst vielen arabischen Staaten zu stürzen und islamistische Systeme zu errichten. Die Herrscherhäuser in Saudi-Arabien und den VAE setzen hingegen auf das, was sie Stabilität nennen: Unterstützung für repressive Regime – derzeit etwa zu beobachten anhand ihres Rückhalts für das Militär im Machtkampf im Sudan.“ (Christoph Sydow: „Kampfansage an den Kronprinzen“)


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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