Mrz 24, 2019
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„Die IS-Terroristen werden den Überlebenden gegenüber favorisiert“

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„Obwohl die ersten Exhumierungen jesidischer Massengräber am vergangenen Wochenende, 4½ Jahre nach dem Massaker, endlich begonnen haben, befinden sich noch immer rund 300.000 Jesiden in Lagern und können nicht in ihre zerstörte Heimat zurückkehren. Viele haben Familienmitglieder, die sich noch in Gefangenschaft befinden. Doch das ist noch längst nicht alles. Als das von ihren ISIS-Peinigern besetzte Territorium auf ein kleines Stückchen Land rund um die in Ostsyrien gelegene Stadt Baghuz reduziert worden war, entbrannte einer Debatte darüber, ob es ISIS-Ehefrauen und -Kindern aus westlichen Ländern erlaubt sein sollte, nach Hause zurückzukehren. [Nadia] Murad musste empört zusehen, wie ‚Terroristen den Überlebenden gegenüber favorisiert werden‘. ‚Nachdem 18 meiner Familienmitglieder von ISIS ermordet wurden, nachdem ich von ISIS gefangengenommen und – zusammen mit meinen Schwestern, mehreren Nichten und Freundinnen – gezwungen wurde, als Sexsklavin zu arbeiten, finde ich diese Debatte unzumutbar.‘ sagte sie.

‚ISIS-Mitglieder unterstützten eine Ideologie, die eine ganze Bevölkerung ausrotten wollte – das jesidische Volk.‘ ‚In diesem Moment wird dem Wunsch einiger ISIS-Terroristen, die ihre Verbrechen vergessen und in westlichen Ländern leben wollen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der Entdeckung der Überreste von 50 enthaupteten jesidischen Frauen, die wahrscheinlich von ISIS hingerichtet wurden.‘ (…) ‚ISIS sprach über all dies öffentlich: Sie rühmten sich, Jesiden zu versklaven und zu töten, sie gaben auf Twitter und in den sozialen Medien bekannt, was sie getan hatten, und es war kein Geheimnis, dass sie jesidische Kinder verkauften.‘ ‚Wir haben noch kein einziges ISIS[-Mitglied] gesehen, dass wegen seiner Verbrechen gegen jesidische Frauen vor Gericht gestellt wurde, trotz der Dutzenden von Frauen, die als Zeugen gegen sie ausgesagt haben. In Sinjar gibt es 69 Massengräber, in denen sich die Überreste von Jesiden befinden, die nur getötet wegen dem wurden, was sie waren.‘

Im letzten Jahr billigten die Vereinten Nationen einen britischen Antrag, ein spezielles Ermittlungsverfahren gegen ISIS einzuleiten, das vom britischen Ankläger Karim Khan geleitet wird. Am Freitag wurde in Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung das erste Massengrab in Murads Dorf Kocho exhumiert, woran auch Murad selbst teilnahm. Aber anders als nach dem Krieg in Bosnien und dem Völkermord in Ruanda gibt es kein internationales Tribunal: Der Irak ist kein Unterzeichner des Internationalen Strafgerichtshofs.“ (Christina Lamb: „Nadia Murad: The world wants me to remain an Isis sex slave“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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