Apr 20, 2019
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Die Erfindung der palästinensischen ‚Nakba‘

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Die Gründung Israels, in der palästinensischen Propaganda „Nakba“ genannt. Doch das war nicht immer so.

„Heutzutage werden der gescheiterte palästinensisch-arabische Versuch, den Staat Israel bei dessen Geburt zu zerstören, und die damit verbundene Flucht von rund 600.000 palästinensischen Arabern international als ‚Nakba‘ (die Katastrophe) bezeichnet. Impliziert ist darin das falsche Bild einer unglücklichen Opferschaft.

Ironischerweise ist dies das Gegenteil der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs, wie er vom syrischen Historiker Constantin Zureiq erstmals auf den arabisch-israelischen Konflikt angewendet wurde. In seiner Broschüre ‚Die Bedeutung der Katastrophe‘ (Ma’na al-Nakba) von 1948 führte Zureiq die palästinensisch-arabische Flucht dem gescheiterten panarabischen Angriff auf den entstehenden jüdischen Staat zurück – und nicht einen vorsätzlichen zionistischen Plan zur Vertreibung der palästinensischen Araber:

‚Als der Kampf ausbrach, begann unsere Propaganda von unseren imaginären Siegen zu sprechen, die arabische Öffentlichkeit einzuschläfern und einen einfach zu erringenden Sieg vorherzusagen – bis die Nakba geschah … Wir müssen unsere Fehler zugeben … und das Ausmaß unserer Verantwortung für die Katastrophe erkennen, die unser Schicksal ist.‘

Zureiq hielt Jahrzehnte lang and dieser kritischen Sichtweise fest. In einem späteren Buch, ‚Die Bedeutung der neuerlichen Katastrophe‘ (Ma’na al-Nakbah Mujaddadan), das nach dem Krieg im Juni 1967 veröffentlicht wurde, definierte er diese jüngste Niederlage als ‚Nakba‘, und nicht als ‚Naksa‘ (Rückschlag), wie sie im arabischen Diskurs bekannt wurde. Denn es habe sich – wie 1948 – um eine selbstverschuldete Katastrophe gehandelt, die aus dem Versagen der arabischen Welt resultierte, sich dem Zionismus entgegenzustellen. (…)

In seinem Buch ‚Fakten zur Palästina-Frage‘ (Haqa’iq an Qadiyat Falastin) von 1956 verwendete Hajj Amin Husseini, der Führer der palästinensischen Araber von Anfang der 1920er bis 1948, den Begriff ‚al-Karitha‘, um den Zusammenbruch und die Auflösung der palästinensisch-arabischen Gesellschaft zu beschreiben. Laut dem palästinensischen Akademiker Anaheed Al-Hardan von der American University of Beirut spiegelte sich darin Husseins Wunsch wider, den Begriff ‚Nakba‘ zu vermeiden, der damals weitgehend mit einer selbstverschuldeten palästinensisch-arabischen Katastrophe in Verbindung gebracht wurde – sei es durch Landverkäufe an Zionisten, durch die Unfähigkeit, den Kampf gegen Israel zu führen, oder durch Anweisungen an die Bevölkerung, das Gebiet zu verlassen.

Nach dem Krieg von 1948 tauchte der Begriff jahrzehntelang nicht wieder auf – nicht einmal im geheiligten Gründungsdokument der PLO, dem ‚Palästinensischen Manifest‘ (1964, überarbeitet 1968). Erst Ende der 80er Jahre wurde er einer breiteren Öffentlichkeit zur Bezeichnung eines von Israelis begangenen Unrechts bekannt. Ironischerweise war es eine Gruppe von politisch engagierten, selbsternannten israelischen ‚neuen Historikern‘, die der palästinensischen Nationalbewegung ihr vielleicht bestes Propagandainstrument zur Verfügung stellten, indem sie auf einer massiv verzerrenden Interpretation von Archivmaterial die Geschichte von Israels Geburt auf den Kopf stellten, wobei Angreifer zu unglücklichen Opfern wurden und vice versa. (…)

Die ‚Nakba‘ ist keine Tatsache, sondern ein manipulativer und griffiger Begriff, der dazu bestimmt ist, die palästinensische Propaganda gegen Israel zu unterstützen. (…) Israel wäre gut beraten, sich an die wichtige Rede von Abba Eban, dem damaligen israelischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, vom 17. November 1958 zu erinnern. Er sprach die Flüchtlingsfrage an, ohne den Begriff Nakba zu verwenden:

‚Das arabische Flüchtlingsproblem wurde durch einen Angriffskrieg verursacht, den die arabischen Staaten 1947 und 1948 gegen Israel führten. Lassen Sie uns hier ganz klar sein: Wenn es keinen Krieg gegen Israel mit dem daraus resultierenden Blutvergießen, dem Elend, der Panik und der Flucht gegeben hätte, gäbe es heute kein arabisches Flüchtlingsproblem. Sobald Sie die Verantwortung für diesen Krieg identifiziert haben, haben Sie die Verantwortung für das Flüchtlingsproblem bestimmt.‘“

(Raphael G. Bouchnik-Chen: „The False ‚Nakba‘ Narrative“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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