Aug 1, 2019
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Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg

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Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg

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(www.conservo.wrdpress.com)

Von Dieter Farwick, BrigGen a.D. und Publizist *)

Der österreichische Militärhistoriker und Universitätsdozent Heinz Magenheimer gehört zu den wenigen Militärhistorikern im deutschsprachigen Raum, die sich unvoreingenommen mit militärischen Themen des II. Weltkrieges befaßt haben. Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gilt der ehemaligen Sowjetunion – später Russland – und Deutschland.

Bereits 1969 – also vor genau vor 50 Jahren – erregte er die öffentliche Aufmerksamkeit mit seinem Buch „Der deutsche Angriff auf Sowjetrussland 1941“, in dem er seine These belegte, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion sei ein „ Präventivschlag“ gewesen, um Stalin zuvorzukommen, dessen Kriegsvorbereitungen unmittelbar vor dem Abschluss standen..

Mit dieser These bekam er Zustimmung, aber auch heftige Ablehnung. Er wurde von seinen Kritikern als „ Revisionist“ bezeichnet, der Deutschland von seiner alleinigen Kriegsschuld reinwaschen wollte, was seine zahlreichen Anhänger im deutsch-sprachigen Raum dagegen begrüßt haben.

In seinem gerade erschienenen Buch „Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg – Feldzüge – Schlachten – Schlüsselentscheidungen“ präsentiert er ein sehr gut recherchiertes Buch auf der Grundlage eines reichhaltigen Quellenmaterials – einschließlich sowjetischer und russischer Dokumente. Wer sich einen Überblick über den Gesamtverlauf des Krieges aus Sicht der deutschen Kriegführung mit den kriegsentscheidenden Phasen verschaffen will, ist mit diesem Buch bestens bedient, zumal der Autor Schlüsselentscheidungen durchaus kritisch betrachtet.

Für den „Operateur“, der die Abläufe der Feldzüge und Hauptschlachten im Detail befassen will, erhält das Buch die Qualität eines „Lehrbuches“.

In großen Linien führt er den Leser durch Vorbereitungen und die Abläufe militärischer Operationen der Kriegsparteien auf strategischer, operativer und taktischer Ebene in Europa, Afrika und Asien.

Es empfiehlt sich, bei der intensiven Lektüre Atlanten neben dem Buch zu haben.

Das gilt insbesondere für die 21 Lagekarten, deren Verständnis durch einen jeweiligen Begleittext von seiner Seite verbessert wird.

Dieses kompakte, spannende Buch ist nicht einfach eine Lektüre, sondern ein außergewöhnliches Lehrbuch, das man sich in den einzelnen Kapiteln erarbeiten muss. Für jeden Leser gibt es Lagekarten, die ihn besonders interessieren – seien es die Ardennenoffensive oder die Schlachten bei El Alamein oder Stalingrad oder Kursk. Es ist nicht nur von Interesse für Militärhistoriker, sondern auch für die noch lebenden Akteure des II. Weltkrieges und auch für deren Nachfahren.

Es müsste in allen Militärakademien Gegenstand der Forschung und Lehre sein.

Es ist interessant zu erfahren, welche Faktoren über Erfolg und Misserfolg einer militärischen Operation entscheiden – wie z.B. der Zeitfaktor, Überraschung, Raum und Gelände, aber auch die Genialität der handelnden Führer.

Es darf nicht übersehen werden, dass der heutige Führer einer militärischen Operation – und sein Stab – durch die moderne Technik ein umfassenderes, aktuelles Lagebild haben.

Dennoch gibt es „Friktionen“( von Clausewitz), die zu schnellen Anpassungen an die neue Lage zwingen. Gegenüber der „Befehlstaktik“ hat die „Auftragstaktik“ den Vorteil, dass – auch bei fehlenden technischen Kommunikationsmitteln – der Führer frei ist, eigenständige Entscheidungen im Sinne seiner übergeordneten Führung zu treffen. Mut und Entscheidungsfreude sind den Offiziersanwärtern und jungen Offizieren in Übungen abzuverlangen.

Eingriffe und Restriktionen von der Politik, die es heute vor allen Dingen bei Kriseneinsätzen im Ausland gibt, sollten reduziert werden. Nationale gelbe und rote Karten engen die Entscheidungsfreiheit der Führer vor Ort drastisch ein.

Die Größenordnungen z.B. von Kampfpanzern übersteigt das heutige Vorstellungsvermögen der militärischen Führer. Das deutsche Heer verfügt heute – leider häufig nur auf dem Papier – über 225 Kampfpanzer. Das deckt nur einen kleinen Teil der Erfordernisse ab, zumal die Alliierten in der NATO nicht besser ausgerüstet sind. Der Verfasser diente in den 70er Jahren in einer Panzerdivision, die damals über 300 moderne, einsatzbereite Kampfpanzer verfügte – neben weiteren 11 Divisionen des deutschen Heeres.

Richtig aus den Erfahrungen ehemaliger militärischer Führer lernen: Heinz Magenheimer gibt Ihnen ein wichtiges Lehrbuch in die Hand.

magenheimerHeinz Magenheimer
Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg.
Feldzüge – Schlachten – Schlüsselentscheidungen.
Gebunden, 324 Seiten, umfangreiche Quellennachweise, Literaturverzeichnis. 34 €uro.
Einmalig: 21 großartige vierfarbige Lagekarten mit ausführlichen Texterläuterungen.

**********

*) Brig.General a.D. Dieter Farwick wurde am 17. Juni 1940 in Schopfheim, Baden-Württemberg, geboren. Nach dem Abitur wurde er im Jahre 1961 als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingezogen. Nach einer Verpflichtung auf Zeit wurde er Berufssoldat des deutschen Heeres in der Panzergrenadiertruppe.

Vom Gruppenführer durchlief er alle Führungspositionen bis zum Führer einer Panzerdivision. In dieser Zeit nahm er an der Generalstabsausbildung an der Führungsakademie in Hamburg teil. National hatte er Verwendungen in Stäben und als Chef des damaligen Amtes für Militärisches Nachrichtenwesen.

Im Planungsstab des Verteidigungsministers Dr. Manfred Wörner war er vier Jahre an der Schnittstelle Politik-Militär tätig und unter anderem an der Erarbeitung von zwei Weißbüchern beteiligt. Internationale Erfahrungen sammelte Dieter Farwick als Teilnehmer an dem einjährigen Lehrgang am Royal Defense College in London.

In den 90er Jahren war er über vier Jahre als Operationschef im damaligen NATO-Hauptquartier Europa-Mitte eingesetzt. Er war maßgeblich an der Weiterentwicklung des NATO-Programmes ´Partnership for Peace` beteiligt.

Seinen Ruhestand erreichte Dieter Farwick im Dienstgrad eines Brigadegenerals. Während seiner aktiven Dienstzeit und später hat er mehrere Bücher und zahlreiche Publikationen über Fragen der Sicherheitspolitik und der Streitkräfte veröffentlicht.

Nach seiner Pensionierung war er zehn Jahre lang Chefredakteur des Newsservice worldsecurity.com, der sicherheitsrelevante Themen global abdeckt.

Dieter Farwick ist Beisitzer im Präsidium des Studienzentrum Weikersheim und führt dort eine jährliche Sicherheitspolitische Tagung durch.

Seit seiner Pensionierung arbeitet er als Publizist, u. a. bei conservo.

www.conservo.wordpress.com     1. August 2019
0
Article Categories:
Allgemein · Conservo · Innenpolitik · Klare Kante
(www.conservo.wrdpress.com)

Von Dieter Farwick, BrigGen a.D. und Publizist *)

Der österreichische Militärhistoriker und Universitätsdozent Heinz Magenheimer gehört zu den wenigen Militärhistorikern im deutschsprachigen Raum, die sich unvoreingenommen mit militärischen Themen des II. Weltkrieges befaßt haben. Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gilt der ehemaligen Sowjetunion – später Russland – und Deutschland.

Bereits 1969 – also vor genau vor 50 Jahren – erregte er die öffentliche Aufmerksamkeit mit seinem Buch „Der deutsche Angriff auf Sowjetrussland 1941“, in dem er seine These belegte, Hitlers Angriff auf die Sowjetunion sei ein „ Präventivschlag“ gewesen, um Stalin zuvorzukommen, dessen Kriegsvorbereitungen unmittelbar vor dem Abschluss standen..

Mit dieser These bekam er Zustimmung, aber auch heftige Ablehnung. Er wurde von seinen Kritikern als „ Revisionist“ bezeichnet, der Deutschland von seiner alleinigen Kriegsschuld reinwaschen wollte, was seine zahlreichen Anhänger im deutsch-sprachigen Raum dagegen begrüßt haben.

In seinem gerade erschienenen Buch „Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg – Feldzüge – Schlachten – Schlüsselentscheidungen“ präsentiert er ein sehr gut recherchiertes Buch auf der Grundlage eines reichhaltigen Quellenmaterials – einschließlich sowjetischer und russischer Dokumente. Wer sich einen Überblick über den Gesamtverlauf des Krieges aus Sicht der deutschen Kriegführung mit den kriegsentscheidenden Phasen verschaffen will, ist mit diesem Buch bestens bedient, zumal der Autor Schlüsselentscheidungen durchaus kritisch betrachtet.

Für den „Operateur“, der die Abläufe der Feldzüge und Hauptschlachten im Detail befassen will, erhält das Buch die Qualität eines „Lehrbuches“.

In großen Linien führt er den Leser durch Vorbereitungen und die Abläufe militärischer Operationen der Kriegsparteien auf strategischer, operativer und taktischer Ebene in Europa, Afrika und Asien.

Es empfiehlt sich, bei der intensiven Lektüre Atlanten neben dem Buch zu haben.

Das gilt insbesondere für die 21 Lagekarten, deren Verständnis durch einen jeweiligen Begleittext von seiner Seite verbessert wird.

Dieses kompakte, spannende Buch ist nicht einfach eine Lektüre, sondern ein außergewöhnliches Lehrbuch, das man sich in den einzelnen Kapiteln erarbeiten muss. Für jeden Leser gibt es Lagekarten, die ihn besonders interessieren – seien es die Ardennenoffensive oder die Schlachten bei El Alamein oder Stalingrad oder Kursk. Es ist nicht nur von Interesse für Militärhistoriker, sondern auch für die noch lebenden Akteure des II. Weltkrieges und auch für deren Nachfahren.

Es müsste in allen Militärakademien Gegenstand der Forschung und Lehre sein.

Es ist interessant zu erfahren, welche Faktoren über Erfolg und Misserfolg einer militärischen Operation entscheiden – wie z.B. der Zeitfaktor, Überraschung, Raum und Gelände, aber auch die Genialität der handelnden Führer.

Es darf nicht übersehen werden, dass der heutige Führer einer militärischen Operation – und sein Stab – durch die moderne Technik ein umfassenderes, aktuelles Lagebild haben.

Dennoch gibt es „Friktionen“( von Clausewitz), die zu schnellen Anpassungen an die neue Lage zwingen. Gegenüber der „Befehlstaktik“ hat die „Auftragstaktik“ den Vorteil, dass – auch bei fehlenden technischen Kommunikationsmitteln – der Führer frei ist, eigenständige Entscheidungen im Sinne seiner übergeordneten Führung zu treffen. Mut und Entscheidungsfreude sind den Offiziersanwärtern und jungen Offizieren in Übungen abzuverlangen.

Eingriffe und Restriktionen von der Politik, die es heute vor allen Dingen bei Kriseneinsätzen im Ausland gibt, sollten reduziert werden. Nationale gelbe und rote Karten engen die Entscheidungsfreiheit der Führer vor Ort drastisch ein.

Die Größenordnungen z.B. von Kampfpanzern übersteigt das heutige Vorstellungsvermögen der militärischen Führer. Das deutsche Heer verfügt heute – leider häufig nur auf dem Papier – über 225 Kampfpanzer. Das deckt nur einen kleinen Teil der Erfordernisse ab, zumal die Alliierten in der NATO nicht besser ausgerüstet sind. Der Verfasser diente in den 70er Jahren in einer Panzerdivision, die damals über 300 moderne, einsatzbereite Kampfpanzer verfügte – neben weiteren 11 Divisionen des deutschen Heeres.

Richtig aus den Erfahrungen ehemaliger militärischer Führer lernen: Heinz Magenheimer gibt Ihnen ein wichtiges Lehrbuch in die Hand.

magenheimerHeinz Magenheimer
Die deutsche militärische Kriegführung im II. Weltkrieg.
Feldzüge – Schlachten – Schlüsselentscheidungen.
Gebunden, 324 Seiten, umfangreiche Quellennachweise, Literaturverzeichnis. 34 €uro.
Einmalig: 21 großartige vierfarbige Lagekarten mit ausführlichen Texterläuterungen.

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*) Brig.General a.D. Dieter Farwick wurde am 17. Juni 1940 in Schopfheim, Baden-Württemberg, geboren. Nach dem Abitur wurde er im Jahre 1961 als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingezogen. Nach einer Verpflichtung auf Zeit wurde er Berufssoldat des deutschen Heeres in der Panzergrenadiertruppe.

Vom Gruppenführer durchlief er alle Führungspositionen bis zum Führer einer Panzerdivision. In dieser Zeit nahm er an der Generalstabsausbildung an der Führungsakademie in Hamburg teil. National hatte er Verwendungen in Stäben und als Chef des damaligen Amtes für Militärisches Nachrichtenwesen.

Im Planungsstab des Verteidigungsministers Dr. Manfred Wörner war er vier Jahre an der Schnittstelle Politik-Militär tätig und unter anderem an der Erarbeitung von zwei Weißbüchern beteiligt. Internationale Erfahrungen sammelte Dieter Farwick als Teilnehmer an dem einjährigen Lehrgang am Royal Defense College in London.

In den 90er Jahren war er über vier Jahre als Operationschef im damaligen NATO-Hauptquartier Europa-Mitte eingesetzt. Er war maßgeblich an der Weiterentwicklung des NATO-Programmes ´Partnership for Peace` beteiligt.

Seinen Ruhestand erreichte Dieter Farwick im Dienstgrad eines Brigadegenerals. Während seiner aktiven Dienstzeit und später hat er mehrere Bücher und zahlreiche Publikationen über Fragen der Sicherheitspolitik und der Streitkräfte veröffentlicht.

Nach seiner Pensionierung war er zehn Jahre lang Chefredakteur des Newsservice worldsecurity.com, der sicherheitsrelevante Themen global abdeckt.

Dieter Farwick ist Beisitzer im Präsidium des Studienzentrum Weikersheim und führt dort eine jährliche Sicherheitspolitische Tagung durch.

Seit seiner Pensionierung arbeitet er als Publizist, u. a. bei conservo.

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