Jan 15, 2019
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Der lachende Dritte: Assad in seiner Lieblingsrolle als „kleineres Übel“

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„Als ‚geringeres Übel‘ hat es Assad deshalb weit gebracht. Mit russischer und iranischer Unterstützung zerstörte er jede echte Alternative zu seiner Herrschaft. Sämtliche Akteure des Konflikts haben sich mit seinem Verbleib an der Macht arrangiert. Sein Sicherheits- und Propagandaapparat hat die Gesellschaft gespalten: Alawiten und Sunniten hassen sich, Moderate und Radikale bekämpfen sich gegenseitig, Araber und Kurden stehen sich in blindem Nationalismus feindlich gegenüber. Und Assad ist stets der lachende Dritte. Wer dieses Drehbuch jetzt noch mal live mitverfolgen möchte, sollte die Entwicklung im Nordosten des Landes beobachten. (…)

Dagegen lässt sich die Frage, wie die USA ohne Truppen vor Ort die Kurden schützen wollen, einfach beantworten: Sie können es nicht. PYD und YPG haben das längst erkannt und suchen ihr Heil jetzt andernorts – in Moskau und Damaskus. Der Abzug der USA macht den Weg frei für Putins Pläne und somit Assads Rückkehr in den Nordosten. Moskau möchte das Gebiet wieder unter vollständige Regime-Kontrolle bringen, die kurdische Selbstverwaltung zerschlagen, die PYD mit ein paar kulturellen Rechten abspeisen und die YPG in Syriens Streitkräfte integrieren. Mit dieser Aussicht würde Erdoğan auf eine Offensive verzichten, so das Kalkül. Zumal diese innerhalb der türkischen Führung durchaus umstritten ist, denn die YPG sind östlich des Euphrats dank der Amerikaner besser ausgestattet und ein Angriff wie auf Afrin vor einem Jahr würde international Kritik und Solidarität mit den Kurden auslösen. Putins Vision stößt in Ankara deshalb auf offene Ohren: Sollten Assads Truppen einrücken, würden die Volksverteidigungseinheiten abziehen, das Regime an der Grenze wirke wie ein Puffer zwischen PYD und PKK und Assad könne als einziger die ‚territoriale Einheit des Landes‘ sicherstellen, also eine kurdische Autonomie nachhaltig verhindern.

Womit wir wieder bei Assads Lieblingsrolle als ‚geringerem Übel‘ wären. Aus Sicht der PYD ist das syrische Regime besser als Erdoğan. Und Erdoğan arrangiert sich lieber mit Assad als mit den Waffenbrüdern der PKK. Damit bestätigt sich eine der Grundregeln des Konfliktes: Wenn sich in Syrien zwei Parteien streiten, profitiert stets Assad als lachender Dritter.“ (Kirstin Helberg: „Assad ist der lachende Dritte“)

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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