Mrz 19, 2019
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Arabischen Emirate sind tolerant und offen: Mein Leben als deutsche Frau und Christin in den Vereinigten Arabischen Emiraten

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Als eine deutsche Christin habe ich in acht Ländern auf verschiedenen Kontinenten gelebt in Europa, Amerika und Afrika. Daher kenne ich u.a. New York, London, Mailand, Lugano, München, aber auch Lome, Togo sehr gut. Das sind alles Städte, die damals meine Wohnsitze waren.

Auf meinen zahlreichen Auslandsreisen lernte ich den Rest der Welt kennen und habe mich immer intensiv auch mit den Kulturen, ethnischen Hintergründen und Religionen, der jeweiligen Länder und ihrer Gesellschaften beschäftigt.

Um diese anderen Kulturen und Gebräuche noch besser verstehen zu können, besuchte ich zahlreiche Kirchen, Tempel, Synagogen, Moscheen und andere heilige und spirituelle Orte, nahm an vielen lokalen Veranstaltungen teil, lernte auch die landesüblichen Küchen kennen, andere Rituale, Kleidungen und Sitten, um damit die Menschen vor Ort besser verstehen zu können.

So war ich mit 15 Jahren in Deutschland eingeladen als Christin eine Synagoge zu besuchen, mit der Bedingung ein weisses Kopftuch zu tragen. Das war eine Sondergenehmigung weil ich sehr respektvoll und interessiert war als Christin auch die jüdischen Traditionen kennen zu lernen. Dabei hatte ich die Gelegenheit auch den damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Ignaz Bubis kennenzulernen. Er leitete in dieser Funktion eine öffentliche Kampagne gegen den deutschen Antisemitismus.

In dem Alter war ich ein eher ungewöhnliches Kind, das seine Zeit damit verbrachte jeden Tag mindestens ein Buch zu lesen. Meine Weggefährten waren hauptsächlich wesentlich ältere Menschen. Sie waren meine “Tutoren”, Lehrer, die mich als sehr wissbegieriges Mädchen immer gerne unter ihre “Fittiche” nahmen. Darunter war auch ein einflussreicher, jüdischer Perser, der nach dem Sturz des Schah Regimes den Iran verlassen hatte und sich in Deutschland als sehr erfolgreicher Geschäftsmann etabliert hatte. Er organisierte in seinen Räumen zahlreiche Versammlungen mit jüdischen Flüchtlingen aus dem Iran und war ihnen behilflich eine neue Existenz für sie aufzubauen.

Er war ein großer Teppich Importeur in Deutschland. So verbrachte ich viele Nachmittage nach der Schule auf hunderten von wertvollen persischen Seidenteppichen, Ghoms, sitzend und lauschte den Geschichten aus dem Iran/Persien. Ich durfte bei vielen Treffen der jüdischen Gemeinde teilnehmen, die von ihm dort organisiert wurden…
Plötzlich fand ich mich in einem Kulturkreis von jüdischen Persern wieder, versunken in ihre Leidensgeschichten, aber auch in ihre reiche persische Kultur und jüdischen Rituale. Noch immer habe ich die Eindrücke aus dieser Zeit vor meinen Augen, die exotische persische Küche, Lamm Gerichte mit Safranreis, 10 bis 20 Jahre alter Knoblauch eingelegt in riesigen Glasflaschen (eine Delikatesse gehandelt wie Kaviar im Iran), opulente goldene Lüster und riesige Wandspiegel mit barocken goldenen Rahmen und die blumenreiche Sprache der Farsi Gedichte vermischt mit der jüdischen Tradition (eine Minderheit im Iran) und der Geschichte von Deutschland.
Damals wurde Ignaz Bubis allmählich zu einer Präsenz im deutschen öffentlichen Leben und im intellektuellen Diskurs über die NS-Vergangenheit, die dort auch heftig in meiner Anwesenheit als junges christliches Mädchen diskutiert wurde. Ich war wissbegierig und schauderte zugleich, bekam wahnsinnige Schuldgefühle in Bezug unsere deutsche Geschichte, als einzige Christin, der es erlaubt war, daran teilzunehmen.

Ich war gar nicht mehr stolz auf ‘unser’ Deutschland … und es hatte zur Konsequenz das während meiner zahlreichen Aufenthalte in vielen anderen Städten und Länder, die ich damals besuchte, ich mich als Europäerin bezeichnete und nicht mehr als Deutsche, die die Welt entdeckte. Die deutsche Herkunft war etwas, das ich nur auf heftige Nachfrage im Ausland ‘gestand’. Ich fühlte mich mehr als “internationale” und kosmopolitische Europäerin, die die ganze Welt bereiste, allerdings ein großer weißer Fleck auf meiner Weltkarte war der Mittlere Osten……………. Was sich schlagartig und plötzlich änderte 2005!

2005 hatte ein sehr guter Freund von mir, ein italienischer Pasta Fabrikant als Überraschung meine Geburtstagsfeier ausgerichtet im Al Bustan Palace im Oman in Muscat. Dabei hatte ich auf dem Hinflug einen Zwischenstopp in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Dubai. Ich war das erste Mal in meinem Leben in einem muslimischen Land. Und ich war so überrascht und zugleich auch fasziniert von der warmherzigen Gastfreundschaft der Emiratis, der Offenheit und Freundlichkeit aber auch von der Fortschrittlichkeit dieses an für sich ‘kleinen Landes’, in das ich mich bei diesem kurzen Aufenthalt im wahrsten Sinne des Wortes ‘ verliebte und hängen geblieben` bin…. Und so lebe ich nun seit 13 Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die ersten fünf Jahre meines Aufenthaltes verbrachte ich damit Land und Leute kennenzulernen, nicht nur von den Emiraten sondern von der gesamten Golfregion. Ich hatte auf meinen zahlreichen Ausstellungen zwischen 2005 – 2010 mehr als 7.000 Treffen mit Muslimen aus dem gesamten Mittleren Osten, der Golfregion und den Vereinigten Arabischen Emiraten und lernte Business, Traditionen und Gebräuche aus der Region kennen, auch die religiösen Festtage, Ramadan etc.

Dabei traf ich viele führende Familien Clans und Royals aus dem ganzen Mittleren Osten, gebildete und liebenswerte Araber, aber auch ganz normale Menschen ‘from all sorts of walk’ von arm bis reich, von gebildet bis ungebildet etc. Es leben auch viele Muslime aus anderen Ländern hier zum Beispiel aus Pakistan, Libanon, Ägypten etc., aber alle haben etwas gemeinsam … was nun den Leser hier erstaunen wird: eine unglaublich herzliche arabische / islamische Gastfreundschaft und Großzügigkeit gegenüber dem ‘fremden’ Besuchern, die oft aus einem vollkommen anderen Kultur- und Religionskreis kommen.

Ich war zutiefst beeindruckt, dass ich als Christin und zudem als deutsche Frau, Witwe, und Geschäftsfrau nicht auf den erwarteten “islamischen” Widerstand traf, vor dem mich mein damaliges Büro und Freunde in Deutschland und Europa aber auch in Amerika gewarnt hatten. Die Warnungen erwiesen sich als unbegründete Vorurteile in den Emiraten.

So hatten viele meiner europäischen und amerikanischen Freunde Bedenken, dass ich nie als Christin und Frau mit Muslimen Geschäfte machen könnte…..
Dass ich darauf achten sollte, nicht ‘entführt zu werden in einen Harem’, dass ich aufpassen sollte vor Übergriffen … etc. basierend auf meiner Herkunft und meiner Konfession und weiblichen Geschlechts …. Und das waren noch die harmlosesten Warnungen oder Angstphantasien vieler meiner europäischen und amerikanischen Freunde. Und ich muss gestehen auch ich hatte in den Anfängen (vor 2005) meine Bedenken, die ich allerdings schon nach den ersten Tagen meines Aufenthaltes in den Vereinigten Arabischen Emiraten sehr schnell vergaß.

Heute nach mehr als 13 Jahren Aufenthalt bin ich mit vollem Herzen und aus voller Überzeugung “A Christian Female Voice reporting from the Middle East” – eine freiwillige und unbezahlte Vertreterin meiner muslimischen Freunde, mein freiwilliger Dank für all die wundervollen und guten Momente, die ich erleben durfte …. die das komplette Gegenteil von all dieser Ängste und Fantasien zuvor waren …

Ich wurde mit unzähligen Einladungen zum Essen, Kaffeetrinken zu offiziellen oder privaten Anlässen etc. überschüttet. Durfte an Majlis Meetings als gleichberechtigte Frau mit vielen Männern und auch mit Frauen teilnehmen. Diese unglaubliche Gastfreundschaft, gerade von den arabischen Freunden, war einfach überwältigend … und ich suchte hier vergebens nach dem “Islamischen Fanatikern und Terroristen” – es gab sie nicht! (zumindest nicht in den Emiraten)

Deutschland ist sehr angesehen im Mittleren Osten und es war das erste Mal, dass ich mich als ‘richtige Deutsche’ empfunden hatte und auch voll Stolz anfing die positiven Errungenschaften von Deutschland als ein Land der Denker, Dichter und Erfinder zu verweisen und auf unsere typischen deutschen Tugenden: Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, Loyalität, Perfektion, Lieferpünktlichkeit etc.

Auch, dass ich eine Christin war, wurde schon damals damit kommentiert, dass wir eigentlich verwandte Religionen sind. Der Islam, das Christentum und der Judaismus sind Abraham Religionen mit dem Alten Testament als gemeinsamer Basis.

Die Vereinigten Emirate sind ein multikulturelles Land, ca. 15 % Einheimische und 85 % Ausländer, ungefähr 200 verschiedene Nationalitäten, sind hier ansässig. 76 Kirchen gibt es in den Emiraten und etwa 900.000 Katholiken.

2015 wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Gesetz erlassen, das alle Formen der Diskriminierung aufgrund von Religion, Kaste, Glauben, Lehre, Rasse, Hautfarbe oder ethnischer Herkunft kriminalisiert. Und dies obwohl hier in den Emiraten kein Vandalismus stattfindet … keine Hass-Graffitis existieren etc. (wie man es leider hier und da in Europa sieht) sondern ein friedliches Miteinander normal ist!

Der Minister für Toleranz und der “Minister of Happiness” sowie eine “Happiness”- Polizei, die gutes Verhalten auszeichnet und würdigt, sind alles neue Konzepte und zeigen wie fortschrittlich die Vereinigten Arabischen Emirate sind.

Noch ein kleiner lustiger Rückblick aus meinem Leben und Arbeit hier:
Auf einer meiner ersten Messen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, 2006, fragte mich His Royal Highness Butti Al Maktoum, ob ich die Vereinigten Arabischen Emirate mag? Und ich antwortete ihm: “I don’t like UAE” .. machte dann eine kleine Sekunde Pause bevor ich weiter sprach und sagte dann was ich in meinem Herzen für die Vereinigten Arabischen Emirate fühle………

“I LOVE UAE !!!! ……… It’s one of the most happy countries in the World, with so many superlative achievements and happy citizen…….

The New York of the Middle East….. Multikulturell and Cosmopolit and Tolerant! …… And one of the safest countries in the world.”

Bei vielen Delegationen aus dem Ausland und bei Empfängen hier in den Emiraten wurde ich als Ehrengast eingeladen, um kulturübergreifende Fragen unserer ausländischen Gäste aus Europa und im speziellen aus Deutschland zu beantworten. Das galt für Gala- Empfänge oder wenn Wirtschaftsdelegationen kamen u.a. mit Minister Michael Glos, dem damaligen deutschen Wirtschafts-und Technologieminister, der mir verwundert ins Ohr flüsterte: “Was machst Du hier? Kann man hier als Frau ‘alleine leben’ zumal Du keine Muslima bist sondern Christin?”

Viele Fragen kreisten hauptsächlich um die Wirtschaftskultur, die Etikette, die Religion, wie ich angenommen wurde als Christin (Frau) in einer ‘Männer dominierten muslimischen Welt’ in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Golfregion und im Mittleren Osten. Mittlerweile bin ich als Expertin für den Mittleren Osten bekannt und als Insider zu vielen Fragen rund um den Mittleren Osten, auch als Ratgeber und Kontakthersteller für Business Set ups etc.

2009 / 2010 wurden die Neuen Digitalen Medien während der Globalen Finanzkrise mein neues Steckenpferd, ich war als „Social Media Campaigner“ eine der Pionierin hier im Mittleren Osten, der Golfregion, den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das galt besonders 2012-2014
mit meiner weltweiten Kampagne “World Leaders Forum Dubai”, mit 100 Millionen Views in 119 Ländern, die mit meinem Beitrag zu dem Thema:
Addressing Global Challenges and Opportunities of the 21st Century – “Together for a Sustainable World in Peace” Furore machte.

2011, direkt nach Fukushima, war ich als deutsche Christin und Frau, die alleinige Unterhändlerin der „World Energy Conference“ hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten und erreichte basierend auf diesen Verhandlungen die Schirmherrschaft von den Vereinigen Arabischen Emiraten für diese Konferenz in 2012.

Ich war die Konferenz Autorin, die diese Agenda für die MoU – Unterverhandlung selbständig geschrieben hat und alle Verhandlungen für diese „Emergency Energy Conference“ direkt nach Fukushima ausgeführt habe.

Der Konferenz gab ich den Untertitel: “Ein Forum für Weltführer”.
Und das aus zwei Gründen:
1.) Da alle Energieminister und Präsidenten von 193 Mitgliedsländer der UNO von den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeladen werden sollten und …
2.) Weil ich eine Massenkampagne als Globale Bewegung mit dem Namen: “World Leaders Forum Dubai” startete, die auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten in der Konferenzagenda bestätigt wurde. Das Wort “Dubai” da die Konferenz in Dubai stattfand.

Zudem promotete ich das erste Mal in den Emiraten “GLOBAL CITIZENSHIP” das Motto, dass wir “ONE PEOPLE & ONE WORLD” sind …

Das alles startete in Dubai mit dem Wissen unserer royalen Führung … basierend auf meiner Conference Agenda ©. Am 20. Januar 2012 wurde die Konferenz offiziell von der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate mit der MOU Unterschrift unterzeichnet und die Kampagne wurde von mir auf gemeinnütziger und unabhängiger Basis betrieben. Das heißt keine Einflussnahme oder eine Finanzierung durch den Staat.
Was zeigt, dass es aus voller Überzeugung und aus ganzem Herzen von mir betrieben wurde, um den Osten und den Westen, uns alle zusammen zubringen….

In den darauf folgenden Jahren hatte meine internationale Kampagne einen unglaublichen Erfolg. Sie war zirka 100 Million Mal in 119 Ländern angesehen worden und brachte etwa 200.000 Mitglieder zusammen, eine Flut von mehr als 20.000 E-Mails und unzähligen globalen Austausch (online und offline) darüber, wie man die Welt zu einem besseren Platz machen könnte, war die Folge.

Einer meiner „Follower“ war der Generalsekretär der “Millennium World Peace Summit
bei der UNO in New York, Amerika”. Sie fand vom 28 bis 31. August 2000 statt. Ein Treffen, das mehr als 2.000 Religionsführer zusammengebracht hat. Nach etlichen Austauschen mit dem Generalsekretär und Gründer von dem “World Council of Religious Leaders”, hatte ich ein JA von ihm zu meinem Plan eine solche Konferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu machen. Warum auch nicht, ich diskutierte diese Idee hier in verschiedenen Kreisen… Wo auch immer ich diese Idee erwähnte … gab es ‘glänzende Augen’ … vielleicht waren das die Samen, die ich gesät habe, die Saatkörner meiner Träume die nun endlich aufgingen mit dem Papst Besuch, der nun endlich stattfand … Ich bin so stolz auf die Vereinigten Arabischen Emirate und die Visionen unserer Scheichs, das sie dieses historisch Treffen Realität haben werden lassen….

Da damals leider andere Tagesgeschehnisse in der Region überhand nahmen … (Krieg in Libyen, ISIS, Syrien) kam jetzt um so mehr Freude dabei auf dieses Ereignis in den Emiraten gesehen und LIVE miterlebt zu haben!

Mit dieser Reise von Papst Franziskus ist ein neues Kapitel in der Geschichte der Beziehungen zwischen den Religionen geschrieben worden. Der Papstbesuch in den Emiraten ist ein historischer Meilenstein im Dialog zwischen Muslimen und Christen. Die Emirate haben nicht nur kostenlos das Zayed-Sportstadion, das größte Stadium des Landes, für die Papstmesse zur Verfügung gestellt. Auch für die zweitägige interreligiöse Konferenz über «Human Fraternity» scheute man weder Kosten noch Mühen, um das «Historische Treffen der beiden wichtigsten religiösen Führer der Welt» auf den Weg zu bringen. Ein Zeichen der Großzügigkeit der Führung der Emirate. Alle Menschen in den Emiraten, die an der Messe teilnehmen wollten, bekamen arbeitsfrei. Schulen sogar 2 Tage. Etwa 180.000 Besuchern sind erschienen, darunter auch tausende Muslime. Es war ein überwältigendes «historische Treffen der beiden wichtigsten religiösen Führer der Welt».

Die Umarmung von Papst Franziskus und dem Groß -Imam der Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad al-Tayyeb, während eines Besuchs der Scheich-Said-Großmoschee war ein großartiges Symbol, der Kraft der «Menschlichen Brüderlichkeit».

Ich habe die Vereinigten Arabischen Emirate immer als multikulturell, tolerant und offen denkend erlebt, als ein Land das es durchaus verdient hat auf internationaler Ebene Vorbild zu sein.

von Sabine Balve

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Klare Kante · The European · The European

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