Aug 15, 2019
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Afghanische Frauen: Angst vor Rückkehr der Taliban

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August 2011: Taliban verpruegeln Frauen, die in der Öffentlichkeit nicht ausreichend verhüllt waren. (Quelle: RAWA/CC BY 3.0)

„Häusliche Gewalt gegen Frauen ist in Afghanistan weit verbreitet, obwohl es seit zehn Jahren ein Gesetz gibt, dass dies unter Strafe stellt. Doch das Wartezimmer des Frauenhauses in Herat ist voll von Frauen, die von ihren Ehemännern geschlagen und misshandelt wurden. Auch Alissa ist es so ergangen, nachdem sie als kleines Mädchen mit einem viel älteren Mann zwangsweise verheiratet wurde. Dies war Teil eines Arrangements, damit Alissas Bruder die Schwester ihres neuen Ehemannes heiraten konnte.

‚Als ich meinen Ehemann das erste Mal sah, war ich schockiert. Ich war doch erst sechs Jahre alt. Da sollte ein Kind doch bei seinen Eltern und seinen Geschwistern sein und nicht bei einem Ehemann. Ich fühlte mich so allein und hatte Angst. Ich habe nur noch geweint.‘ (…)

Die Frauen in Afghanistan müssten um ihre Rechte kämpfen, sagte die Aktivistin, Suraya Pakzad. Bei den laufenden Friedensgesprächen mit den Taliban, seien diese Rechte in Gefahr, auch wenn sie in der Verfassung verankert seien.

‚Wir dürfen nicht darauf warten, dass uns jemand vorsetzt, wie unsere Rechte aussehen. So wie das im Jahr 1996 passiert ist, als die Taliban an die Macht kamen. Diesmal müssen wir für unsere Rechte kämpfen. Und wir müssen die internationale Staatengemeinschaft dazu bringen, dass sie auf uns hört. Wir gehen nicht zurück zu der Situation von damals.‘

Während der Taliban-Herrschaft bis zum Jahr 2001 waren Frauen in Afghanistan fast völlig aus dem öffentlichen Leben verbannt. Frauen durften nicht arbeiten, außer zu Hause und Mädchen durften nicht zur Schule gehen. (…)

Niemand kenne die Pläne der Taliban und deren Verhandlungsposition bei den Friedensgesprächen, sagte [die Jura-Professorin] Shehla Farid. Die Sorge der Frauen vor der Zukunft sei deshalb berechtigt:

‚Nicht nur ich, sondern alle Frauen in Afghanistan fürchten sich vor einer möglichen Rückkehr der Taliban an die Macht. Sie haben uns keinerlei Garantien gegeben, dass sie den Frauen die Freiheiten lassen, die sie in den vergangenen Jahren errungen haben. Sie sagen immer wieder, sie respektierten die Rechte der Frauen nach dem islamischen Recht, aber das unterliegt alles deren Interpretation der Scharia.‘ (…)

Sogar einigen Delegierten der Großen Ratsversammlung, die Anfang Mai zusammengekommen war, gingen die Freiheiten, die sich die afghanischen Frauen in den vergangenen Jahren erkämpft hatten, zu weit. Im Schlussdokument der Loja Dschirga hieß es, man müsse auch die berechtigten Interessen der Taliban berücksichtigen. (Bernd Musch-Borowska: „Angst vor erneuter Taliban-Herrschaft“)


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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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