Aug 6, 2019
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Abbas wird nicht den Ast absägen, auf dem er sitzt

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„Alle Welt redet über die Drohung von ‚Palästinenserpräsident‘ Abbas, die ‚Friedensverträge‘ mit Israel aufzukündigen. Niemand fragt, wann und wo denn ein ‚Friedensvertrag‘ unterzeichnet worden ist. Und was hätte Abbas davon, wenn er seine Ankündigung wahr machen würde? (…)

Noch unglaubwürdiger wird es, wenn man die möglichen Folgen einer solchen Aktion anschaut. Abbas will wohl kaum alles zerstören, was die Palästinenser auf dem Weg zur erträumten Unabhängigkeit aufgebaut haben: den Regierungspalast, die uniformierte und bewaffnete Polizei, Briefmarken, eigene Pässe, Hymne und Selbstverwaltung der Schulen und Krankenhäuser.

Ohne die Osloer Abkommen müsste Abbas dies alles abgeben und Israel bitten, einzumarschieren und die gesamte Verwaltung wieder zu übernehmen, also alles, was heute den großen bürokratischen Apparat mit hochbezahlten Ministern und Beamten lenkt. Die gesamte Infrastruktur würde zusammenbrechen, denn die Nachfolgeabkommen von Oslo regeln so relevante Dinge des Lebens wie Stromzufuhr aus Israel, Wasserversorgung, Importe, Steuereinnahmen und was die Menschen sonst zum Leben benötigen. (…)

Sollte Abbas mit seiner „Drohung“ nur die ‚Sicherheitskooperation‘ meinen, also den gemeinsamen Kampf gegen Terror, so wird das Ganze noch absurder, denn diese Kooperation wurde nicht nur wegen palästinensischer Terroranschläge gegen Juden und Israelis geschaffen, sondern vor allem, um die radikale Hamas-Organisation an einem Umsturzversuch gegen den in der Bevölkerung höchst unpopulären Abbas zu hindern. Ohne Hilfe der Israelis säße der 83-Jährige wohl längst nicht mehr auf seinem Thron.“ (Ulrich W. Sahm: „Warum funktioniert die Propaganda-Aktion des palästinensischen Präsidenten?“)


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

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Artikel · Außenpolitik · Mena Watch

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